Mit den Tieren auf Tuchfühlung

WR-Ausflugstipp: Privat-Zoo am Rammelsberg in Kassel

Kassel. Einkaufen ist für Kinder oft mehr Last als Freude, doch wer einen Einkaufstag in Kassel beabsichtigt, kann für seine Jüngsten ein ganz besonderes Erlebnis einplanen: einen Besuch im privaten Kleintierzoo mitten in der Kasseler Innenstadt. Unser Ausflugstipp führt uns diesmal in den Zoo am Rammelsberg in Kassel, Wahlershausen.

Esel, Meerschweinchen, Kaninchen - Kinder haben hier die Möglichkeit, Haustiere hautnah zu erleben und können sie füttern und streicheln. „Bei uns darf man Futter wie Salat, Mohrrüben oder altes Brot selbst mitbringen, darüber freuen sich die Tiere“, sagt Horst Schwenk. Der 73-Jährige hat vor 38 Jahren den Kleintierzoo aus dem Nichts aufgebaut. Neben den typischen Haustieren hat der kleine, idyllisch gelegene Zoo aber auch einige exotischere Tiere wie Alpakas, Papageien, Flamingos, Leguane, Schlangen und Weißbüscheläffchen zu bieten. „Zeitweise hatten wir mal 54 verschiedene Arten“, erklärt Ehefrau Edith, die in all den Jahren immer an der Seite ihres Mannes für den Tierpark da war. Und der ist aus einer Art Schnapslaune heraus entstanden: „Ich war schon immer ein Tiernarr“, sagt der gebürtige Wahlershäuser Schwenk. Und eines Tages beim Frühschoppen sei er dann auf die Idee gekommen, einen Zoo zu gründen.

 „In Kassel gibt es ja keinen eigenen Zoo“, sagt er. Die Schwenks haben damals 1974 alle Anlieger gefragt und die waren alle für den Zoo am Rammelsberg. „Die Tiere halten uns auch fit, ohne sie könnten wir gar nicht.“ Edith und Horst schwenk Auch heute gebe es keinerlei Probleme mit den Nachbarn. Im Gegenteil, der Zoo sei sehr gefragt. „Wir haben immer viel zu tun“, sagt Edith. Auf dem etwa zwei Hektar großen Gelände der Betreiberfamilie Schwenk leben derzeit um die 100 Tiere. Da heißt es morgens ab sieben Uhr zwei bis zweieinhalb Stunden Tiere füttern und nach dem Rechten sehen. Und es gibt ja auch immer etwas zu reparieren. Doch dafür haben die Schwenks genug Handwerker in der Familie: „Vom Installateur über den Landschaftspfleger bis zum Maler und Maurer haben wir alles in der Familie - anders ginge das ja auch gar nicht“, erklärt Horst Schwenk. Er und seine Frau kümmern sich immer noch täglich um die vielen Tiere. „Die Tiere halten uns auch fit, ohne sie könnten wir gar nicht“, sagen sie. Dennoch, die Hauptverantwortung haben sie mittlerweile an den Sohn Thomas und dessen Ehefrau Monika abgegeben. „Unser Thomas ist dabei, seit er 13 Jahre alt ist, und er wollte den Zoo übernehmen“, sagt Horst Schwenk stolz. Stolz ist er auch auf die vielen Nachzuchten: „Das zeigt, dass sich die Tiere wohl fühlen und es ihnen gut geht“, sagt er.

Derzeit kann man mit viel Glück einige Tierbabys beobachten, so wie beispielsweise den Luchsnachwuchs. Die Schwenks betreiben den Zoo dabei nicht aus kommerziellem Interesse, sondern vor allem, um den Stadtkindern die Möglichkeit zu geben, Kontakt zu verschiedenen Tieren zu haben. „Die verwechseln oft die einfachsten Tierarten, das ist sehr traurig“, sagt Horst Schwenk. Und seine Frau erinnert sich, dass mal eine Schulklasse da war, die noch nie eine Ziege gesehen hatte. Schon die Anfahrt zum Zoo ist ein Erlebnis: Man biegt von der Wilhelmshöher Allee ab in die Kunoldstraße, ab da ist der Zoo am Rammelsberg ausgeschildert. Über einen kleinen befestigten Feldweg wird man in eine dörflich wirkende Umgebung geführt und dann ist da das Schild. Gelb und groß hängt es über dem Eingang und lädt zum Besuchen ein. Besonders geeignet ist der Kleintierzoo für jüngere Kinder. Die vierjährige Katelyn beispielsweise ist mit ihrer Mutter und Schwester Chiara einmal die Woche im Zoo und schaut bei den Tieren nach dem Rechten und hat viel Spaß beim Füttern. Genau diese Freude im Umgang mit den Tieren wollen die Schwenks weitergeben, die die kleine Anlage liebevoll dekoriert haben. Und das nutzen auch ältere Besucher, die gerne im Café sitzen, die Ziegen beobachten und dann durch die Anlage schlendern. Anne Conrad kommt fast täglich, um die Waschbären zu besuchen. „Das sind meine absoluten Lieblingstiere, eigentlich komisch hier in Kassel“, sagt sie und lacht.

Und ein kleines Schmankerl hat Horst Schwenk für die Gäste: Das wohl kleinste Automobilmuseum der Welt. In einer Garage stehen drei restaurierte DKW F8 und ein Motorrad der Autounion, die er alle in liebevoller Handarbeit restauriert hat. „Und bei gutem Wetter nehme ich damit an Oldtimer-Ausfahrten teil“, sagt er. Klein, aber fein hat der Zoo am Rammelsberg für alle etwas zu bieten - und wenn man nur die Dorfidylle mitten in der Stadt genießen möchte. Für Hundebesitzer lohnt sich der Besuch doppelt: Hunde sind an der kurzen Leine im Zoo erlaubt und im Anschluss kann man im angrenzenden Waldstück einen ausgiebigen Spaziergang machen. Vielleicht ist vorher noch etwas Zeit, sich im zooeigenen kleinen Café zu stärken. Der Eintritt ist frei, der Zoo finanziert sich ausschließlich über Spenden der Besucher sowie aus den Einnahmen des Getränke- und Eisverkaufs.

WR-Ausflugstipp: Privat-Zoo am Rammelsberg in Kassel

Info: Geöffnet ist der Zoo montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Im Winter (ab Oktober) ist bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet, im Dezember und Januar bleibt der Zoo geschlossen. Weitere Informationen gibt es online unter www.zoo-rammelsberg.de.

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