In der Würde verletzt: Eschweger demonstrieren gegen Haltung von Tigern im Zirkus

Protest: „Ihr Applaus für seine Angst“ und „Wie lustig ist Leid?“ ist auf den Tafeln der Tierheimmitarbeiter zu lesen.

Gegen Wildtiere im Zirkus demonstrierten am Samstag in Eschwege nach einem Aufruf der Grünen rund 30 Tierschützer.

Anlass für den Protest: Der Zirkus Weisheit, der seit Freitag in der Kreisstadt gastiert, führt in seinen Vorstellungen vier sibirische Tiger vor. „Die Tiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens im Lkw und werden von einem Ort zum anderen gebracht“, sagt Max Wurdinger vom Kreisverband der Grünen. Der Tierarzt und frühere Stadtverordnete Lothar Dietrich sagte: „Diese Haltung ist nicht artgerecht und bildet nicht den natürlichen Lebensraum des Tieres ab.“ Laut Dietrich sind Verhaltensstörungen und Psychosen vorprogrammiert. „Die Tiere werden in ihrer Würde verletzt, weil sie unnatürliche Kunststückchen machen müssen“, so Dietrich weiter, der insgesamt von einer „tierquälerischen Haltung“ sprach. Direkt neben dem Radweg am Ortsausgang in Richtung Grebendorf laufen die Tiger in ihrem Gehege hin und her. Viele Bürger halten an und bestaunen die größten lebenden Katzen mit ihren zwei Metern Rumpflänge und bis zu 300 Kilogramm Gewicht.

Aus Sicht der Eschweger Grünen und vieler Tierschutzorganisationen soll das Bestaunen ein Ende haben. Die Haltung von Wildtieren in einem Zirkus gehöre verboten. Vor allem dann, wenn davon große Raubkatzen wie Tiger betroffen sind.

„Es wurde schon viel darüber diskutiert“, sagt Max Wurdinger, der sich freute, dass 30 Männer und Frauen dem Aufruf gefolgt sind und „vor dem Zirkus Flagge zeigen“. Tierarzt Lothar Dietrich (62) erklärt, dass die Tiger in der Natur einen Bewegungsradius von 400 Quadratkilometer haben und nicht in einem 50 Quadratmeter engen Käfig leben sollten. Aus Sicht der Demonstranten gehören Tiere auch nicht in den Zirkus, weil in der Dressur häufig Gewalt angewendet werde und die Lebensbedingungen zu einer verkürzten Lebenszeit führten.

Während nur eine Handvoll Gäste das Kassenhäuschen passierte, um die Zirkusvorstellung zu besuchen, gaben die Teilnehmer der Kundgebung vor allem eine Empfehlung weiter: „Besucht keine Zirkusse mit Wildtieren. Es gibt tolle Zirkusse, die ganz ohne Tiere auskommen und durch Akrobatik begeistern.“

Die Eschweger Stadtverordnetenversammlung diskutierte vor einiger Zeit über ein Verbot von Zirkussen mit Wildtierhaltung auf städtischem Gelände. Ein Beschluss wurde bis heute nicht gefasst.

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