Zahl armer Menschen im Kreis steigt deutlich

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Werra-Meißner. Altersarmut ist im Werra-Meißner-Kreis längst kein Einzelschicksal mehr. Im Oktober 2013 waren im Kreisgebiet 1 133 Menschen auf Fürsorgeleistungen vom Staat angewiesen. Das sind 1,1 Prozent der Bevölkerung. 573 von ihnen sind älter als 65 Jahre. Das sind immerhin gut die Hälfte aller Menschen im Werra-Meißner-Kreis, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Hessenweit sind es insgesamt 40 943 Senioren.

Noch vor einem Jahr bezogen deutlich weniger Rentner Sozialhilfe. Im Oktober 2012 waren 1007 Personen auf die staatliche Leistung angewiesen. 514 von ihnen waren älter als 65 Jahre.

Michael Nowotny von der Caritas in Eschwege kennt das Problem der Altersarmut. Der Diplom-Pädagoge und Dienststellenleiter bietet bei der Kirchlichen Allgemeinen Sozial- und Lebensberatung auch Unterstützung bei Sozialhilfeansprüchen an. Seiner Erfahrung nach ist das Thema im ländlichen Raum oft schambesetzt und viele nutzen die Grundsicherung nicht, obwohl sie einen Anspruch hätten.

Dabei habe sich die finanzielle Situation in den vergangenen Jahren für viele Menschen deutlich verschärft: „Die Mieten steigen und die Energiekosten sind davon galoppiert“, sagt Nowotny. Zudem habe insbesondere die Nachkriegsgeneration häufig nur geringe Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt. Diese Effekte seien nun spürbar und würden sich durch Niedriglöhne und Teilzeitbeschäftigungen noch verschärfen. „Es ist gut, dass es das System gibt, auch wenn es Schwierigkeiten bei der Antragsstellung gibt“, sagt er.

Die Entwicklung im Werra-Meißner-Kreis spiegelt sich auch bundesweit wider: Am Jahresende 2012 bezogen 465 000 Senioren ab 65 Jahren Sozialhilfe, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Damit stieg die Zahl der Anspruchsberechtigten im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent. (alh/nis)

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