Sicherheitskonzepte schrecken Täter ab

Zahl der Banküberfälle in Hessen sinkt: Seit 2016 keine Tat mehr im Kreis

In Hessen sind die Überfälle auf Banken rückläufig. Im Werra-Meißner-Kreis kam es zuletzt im Jahr 2016 in Herleshausen zu einem Vorfall.
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In Hessen sind die Überfälle auf Banken rückläufig. Im Werra-Meißner-Kreis kam es zuletzt im Jahr 2016 in Herleshausen zu einem Vorfall.

Digitalisierung und bargeldloser Zahlungsverkehr haben gemeinsam mit steigenden Sicherheitsvorkehrungen die Zahl der Banküberfälle in Hessen innerhalb von 20 Jahren sinken lassen.

Das berichtet Agata Barbagallo, Sprecherin des hessischen Landeskriminalamts (LKA). Waren es 2005 noch 74 registrierte Überfälle, sank die Zahl im Jahr 2010 auf 25. 2019 wurden vom LKA Hessen dann sogar nur noch 16 Banküberfälle erfasst.

Auch im Werra-Meißner-Kreis gab es laut Jörg Künstler, Sprecher der Polizeidirektion Werra-Meißner, in den vergangenen 20 Jahren lediglich elf Überfälle auf Geldinstitute. Die Häufigkeit solcher Delikte sei im Kreis „glücklicherweise als gering einzustufen“, so Künstler.

Seit 2016 kein Banküberfall im Werra-Meißner-Kreis 

Auffällig sei, dass seit der letzten Tat in Herleshausen kein weiterer Raubüberfall mehr stattgefunden habe. Im Januar 2016 bedrohten zwei maskierte Männer mit Schusswaffen die beiden Angestellten einer Sparkasse und forderten die Herausgabe von Geld. Sie mussten ohne Beute flüchten, da die Filiale bargeldlos geführt wird.

In Abstimmung mit der Polizei entwickelten Banken ihre Kassensicherungssysteme seit Jahrzehnten stetig weiter, so Bargaballo und Künstler. Viele Banken würden den Angestellten keinen oder nur noch zeitverzögerten Zugriff auf Banknoten erlauben.

Bargeldmengen in Filialen sind gering

„Sofern Bargeld in den Filialen vorgehalten wird, ist der Kassenbereich räumlich abgetrennt und die Beiträge stark limitiert“, so die LKA-Sprecherin. Größere Bargeldmengen würden sich in einem zeitschlossgesicherten Tresor befinden. In anderen Geschäftsstellen, wie beispielsweise in Herleshausen, sei gar kein Bargeld mehr griffbereit.

„Ebenfalls abschreckend wirken können auch die Videoüberwachungsanlagen in den Geldinstituten, die nach der Tat von der Polizei für die Fahndung des Täters eingesetzt werden“, sagt Bargaballo. Auch das Strafmaß für einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Geldinstitut sei deutlich höher als beispielsweise bei der Sprengung eines Geldautomaten.

Das sagen die Sparkasse und die VR-Bank Mitte

„Wir leisten seit Jahren intensive Aufklärungsarbeit zum Thema Banküberfall – sowohl intern mit unseren Teammitgliedern als auch mit unseren Kunden“, sagt Florian Hartleib, Leiter der Unternehmenskommunikation der VR-Bank Mitte. Aber auch die gute Pressearbeit zu dem Thema zeige möglichen Bankräubern bereits im Voraus auf, dass nur sehr wenig Geld in den Filialen der VR-Bank vor Ort verfügbar sei. Die früher üblichen und für Banken damals eigentlich typischen Kassenschalter habe man in den 32 VR-Bank-Filialen fast komplett abgeschafft. 

Gleiches gelte auch für die Sparkasse Werra-Meißner, sagt Lutz Römer, der beim Geldinstitut Leiter des Bereiches Unternehmensentwicklung ist und zum Vorstandsstab gehört. Die digitalen Geldströme würden mittlerweile eine wesentliche Rolle spielen. Die Versorgung der Kunden mit Bargeld würde in den Filialen meistens nur noch über die Ein- und Auszahlung an den Geldautomaten vonstattengehen. 

„Die Verlagerung zum digitalen Zahlungsverkehr ist deutlich spürbar und hat sich durch die Corona-Zeit noch einmal intensiviert“, berichtet Florian Hartleib von der VR-Bank Mitte. Das kontaktlose Zahlen sei von 25 Euro auf 50 Euro erhöht worden, viele Kunden würden außerdem mit ihrem Mobiltelefon oder mit ihrer Uhr, die auf das Internet zugreifen könne, zahlen. 

Geldautomaten werden zum Ziel der Täter

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in den Geldinstituten in Deutschland sorgen gleichzeitig aber nicht dafür, dass die kriminelle Energie der Verbrecher gemeinhin sinkt. Stattdessen würden sich die Probleme nun dahingehend verlagern, dass vermehrt versucht werde, Geldautomaten gewaltsam zu öffnen, so Lutz Römer.

 Sicherheitskonzepte der Sparkasse würden allerdings auch dort dazu beitragen, die Tat im Vorfeld zu verhindern oder die Verwertung der Geldbeute zu erschweren, so Römer. Es gelte, die Sicherheitsvorkehrungen für alternative Verbrechensquellen, wie beispielsweise die Geldautomaten oder auch das Online-Banking, regelmäßig zu optimieren, bestätigt Florian Hartleib von der VR-Bank Mitte. 

Dazu zähle auch ein regelmäßiger und intensiver Austausch mit der Polizeibehörde, die mit hohen Aufklärungsquoten ihrerseits ebenfalls wesentlich dazu beitrage, dass die Zahl der Banküberfälle in Deutschland rückläufig sei

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