Gesundheitsdienst des Landkreises warnt vor Panikmache

Zecken nach mildem Winter im Werra-Meißner-Kreis früher aktiv

Eschwege. Zecken sind in diesem Jahr besonders früh aktiv. Durch den milden Winter sind die Krabbeltiere auch im Werra-Meißner-Kreis schon einige Wochen eher als sonst unterwegs. Das bestätigte Landkreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage.

Durch den milden Winter sei davon auszugehen, dass die Gesamtpopulation einerseits wenig dezimiert wurde und sich andererseits früher im Jahr vermehren konnte. Da Zecken ab einer Außentemperatur von acht Grad Celsius aktiv seien, sei dieses Jahr wegen der milden Temperaturen mit einem frühen Beginn der Zeckenplage zu rechnen. „Man sollte deshalb schon jetzt beim Aufenthalt im Freien die empfohlenen Schutzmaßnahmen beachten.“

Trotzdem besteht kein Grund zur Panik: Der Werra-Meißner-Kreis gehört laut einer jährlichen Erhebung bei den Gesundheitsämtern nicht zu den Risikogebieten für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), im Volksmund auch Hirnhautentzündung genannt. Diese kann durch Zecken auf den Menschen übertragen werden.

„In den letzten fünf Jahren wurde kein Fall einer FSME im Werra-Meißner-Kreis gemeldet“, sagt Klinge. Für die bakterielle Infektionskrankheit Borreliose gebe es hingegen keine Meldepflicht. Diese von Zecken übertragene Krankheit ist jedoch nach Angaben des Robert-Koch-Institutes unter den Blutsaugern weit häufiger verbreitet. Bis zu 35 Prozent der Zecken sind in ganz Deutschland mit Borrelien infiziert. Zum Vergleich tragen lediglich bis zu fünf Prozent der Zecken in FSME-Risikogebieten das Virus in sich.

Auch andere Insekten, wie Mücken, haben vom milden Winter profitiert. Angst vor Malaria und West-Nil-Fieber sei aber übertrieben. „Ein einzelner milder Winter reicht nicht aus, um die Lebensbedingungen für diese Insekten in unseren Breiten so nachhaltig zu verändern, dass sie sich hier festsetzen“, sagt Klinge.

Die Zecke ist ein Spinentier und gehört zu der Gruppe der Milben. Sie ist ein Parasit, das heißt, sie braucht andere Lebewesen, von deren Blut sie sich ernähren kann, ähnlich wie eine Stechmücke. Weltweit sind über 800 Zeckenarten bekannt.

Die Zeckenart, die in Deutschland die meisten Menschen sticht, ist der Gemeine Holzbock (lat. Ixodes ricinus).

Mit einem einzigen Stich, bei dem die Zecke Blut aus ihrem „Opfer“ saugt, kann sie in der freien Natur drei bis fünf Jahre, im Labor sogar bis zu zehn Jahre überleben. Gegen die Frühsommermeningitis (FSME) kann man sich impfen lassen, gegen Borreliose nicht.

Von Jonathan Vorrath

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Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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