Mit drei Kräften in Lauenburg

THW Eschwege  im Hochwassereinsatz an der Elbe

Die Nacht zum Tage gemacht: Die drei THWler aus Eschwege bilden die Führungseinheit für die Beleuchtung im Hochwassergebiet Lauenburg. Sie sorgen dafür, dass die Kollegen auch nachts problemlos arbeiten können. Foto: Michael Kuß-Schönzart

Eschwege/Lauenburg. Seit zwei Wochen sind die Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) Eschwege im Hochwasser-Einsatz. Erst an der Werra, nach kurzer Pause seit Montag im schleswig-holsteinischen Lauenburg an der Elbe.

Wenn Michael Kuß-Schönzart, Timo Jung und Anja Hoche am Nachmittag aufwachen, müssen sie manchmal überlegen, welcher Tag gerade ist. Die drei sind eine Führungseinheit der Fachgruppe Beleuchtung. Das bedeutet: Ihr Arbeitstag beginnt um 19 Uhr und endet um sieben Uhr am Morgen.

Die Beleuchtungsfachgruppen in Lauenburg kommen aus Hofgeismar, Fritzlar, Schwalmstadt und Wader (Saarland). Die Aufgabe des Eschweger THW-Zugtrupps besteht darin, die Einsätze der Gruppen zu leiten. Sie leuchten an verschieden Stellen die Einsätze im Hochwassergebiet aus. In Deichverteidigungszügen, gemischt aus Feuerwehr, THW und DLRG, stehen die Helfer im Zwölf-Sunden-Schichtdienst ständig in Bereitschaft, um bei Meldungen über Deichbeschädigungen sofort auszurücken.

Die Situation in Lauenburg ist seit gestern Morgen nicht mehr kritisch. Die Pegelstände sinken zwar, trotzdem ist die Altstadt zurzeit unbewohnbar und wurde evakuiert. Unklar bleibt, wann die Bewohner wieder ihre Häuser beziehen können. Am Freitagmorgen verzeichnete der Pegel in Lauenburg 9,32 Meter - somit ging die Höhe der Elbe seit Donnerstagabend um acht Zentimeter zurück. Normalerweise beträgt der Wasserstand hier rund 4,80 Meter.

„Am Freitagmorgen um zehn Uhr - mitten im Schlaf - kam dann für uns der Rückzugsbefehl“, sagt Zugführer Michael Kuß-Schönzart. Die kritische Phase der durchweichten Deiche sei überstanden, die Einsatzkräfte vor Ort würden mit der Situation klarkommen.

Rund 800 Helfer waren in und um Lauenburg im Einsatz. Für viele von ihnen sorgen die Eschweger für Licht, so dass sie auch nachts arbeiten können. Pausenlos werden hier Sandsäcke befüllt. „25 000 Säcke pro Schicht werden hier fertig gemacht. Das ist Wahnsinn.“ Ohne die Einzel-Schicksale nach dem Werra-Hochwasser Anfang des Monats herunterspielen zu wollen, sagt Kuß-Schönzart: „Im Vergleich zu dem, was wir hier erleben, sind wir im Werra-Meißner-Kreis glimpflich davongekommen.“

Vergangenen Montag kam der Einsatzbefehl für die Eschweger. Mit Lichtmast und Einzelscheinwerfern leuchten die Fachgruppen großräumig Strecken von bis zu 150 Metern oder Flächen von 3000 Quadratmetern aus. Neben der Einsatzeinteilung versorgt der Zugtrupp die Einheiten mit Betriebsstoffen und verpflegt die Helfer. Der Kontakt zu Einsatzleitungen und Abschnittsleitungen läuft über das Führungsfahrzeug des THW OV Eschwege. Es ist mit moderner Kommunikationstechnik, Funk, Computer, Drucker und Internet ausgestattet.

Nette Begebenheit am Rande: Fernseh-Moderator Elton kam am Donnerstag in seiner Heimat vorbei, um die Eschweger THWler aufzumuntern. „Die Auflockerung durch den Humor von Elton hat gut getan“, sagt Kuß-Schönzart. Im normalen Leben sind Kuß-Schönzart, Jung und Hoche - die am Mittwoch im Einsatzgebiet ihren Geburtstag feierten - Stuckateur, Einzelhandelskaufmann und Zugführerin bei der DB. Am Montag hat sie das normale Leben nach zwei Wochen im Einsatz voraussichtlich wieder.

Von Tobias Stück

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