Schulhofbrand an FWS

Zigarette hat Feuer entfacht - Beißender Gestank vermutlich durch Kunststoff

Großeinsatz der Feuerwehr an der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege.
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Großeinsatz der Feuerwehr an der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege: Bei dem Brand am vorigen Donnerstag war eine beißende Dampfwolke aufgestiegen, deren Ursache bislang nicht exakt geklärt werden konnte.

Auch vier Tage nach dem Brand eines Bauabfallcontainers auf dem Schulhof der Eschweger Friedrich-Wilhelm-Schule ist unklar, welche Substanz bei dem Feuer für die beißende Qualmwolke verantwortlich ist.

Eschwege – „Wir haben in dem Container einen Behälter mit der Aufschrift Ammoniaklösung gefunden und vieles deutet darauf hin, dass die Flasche gefüllt war“, sagte Eschweges Feuerwehrchef Sven Rathgeber. Das bestätigen die bisherigen Ermittlungen der Kripo. Die Schulleitung der FWS dementiert. Geklärt scheint die Brandursache: eine Zigarettenkippe.

Die Kriminalpolizei teilte am Montagnachmittag weitere Details mit. Zum Zeitpunkt des Brandes hätten sich laut Polizei vier Mitarbeiter einer Baufirma, die die Abbrucharbeiten im Zuge der Sanierung des naturwissenschaftlichen Traktes der Schule leistet, dort aufgehalten.

Die Männer hätten Mobiliar aus Holz und Kunststoff in den Container entsorgt, aber fälschlicherweise offenbar auch mehrere leere Ammoniakflaschen, die sie vom ersten Obergeschoss in den Container warfen, teilte der Sprecher der Polizei Alexander Först mit.

Da während des Einsatzes unklar blieb, was sich in dem Container befand, hatte sich die Feuerwehr für einen risikofreieren Weg entschieden. Der Eschweger Bauhof hatte zwei Lkw-Ladungen Sand gebracht, die zum Ersticken des Brandes in den Container geschüttet worden waren.

Laut den Beamten der Kriminalpolizei Eschwege sei es eher unwahrscheinlich, dass die entsorgten leeren Ammoniakflaschen zum Brandausbruch geführt haben. Viel wahrscheinlicher sei, so die Kripo, dass die entsorgten Möbel in dem Container in Brand gerieten, weil der Containerboden bei der Anlieferung mit einer größeren Menge an Sägemehl bedeckt war und vermutlich in dem Container auch hin und wieder Zigarettenkippen entsorgt wurden, die dann zum Brandausbruch führten.

Für die Dämpfe könnten zwar die Reste aus den Ammoniakflaschen mitverantwortlich sein, aber auch hier gehen die Ermittler eher davon aus, dass die Atemwegsreizungen durch das Verbrennen der Gegenstände an sich, unter anderem auch durch das Brennen von Kunststoff, hervorgerufen wurden.

„Der Sachverhalt wird jetzt zur weiteren Prüfung hinsichtlich möglicher Verstöße an die Staatsanwaltschaft in Kassel abgegeben“, sagte der Polizeisprecher.

Die Schulleiterin der Friedrich-Wilhelm-Schule, Dr. Birgit Renke, hingegen dementierte auf Anfrage unserer Zeitung, dass Ammoniak bei den beißenden Dämpfen eine Rolle gespielt haben könnte. „Sämtliche Chemikalien wurden vor den Herbstferien in den Keller geräumt“, sagte sie. „Es sind keine Chemikalien in den Container geworfen worden.“ Auch habe es am Montag eine Begehung mit der Unfallkasse gegeben.

„Das Thema Ammoniak ist vom Tisch.“ In einer Pressemitteilung hatte die Schule am Montag geschrieben: „Es sollte auch möglichen fehlerhaften Spekulationen entgegengewirkt werden, dass die FWS durch fahrlässiges Handeln das Wohl der ihr anvertrauten jungen Menschen gefährdet haben könnte.“

Bei dem Brand war es nach Angaben der Polizei zu aufsteigenden Dämpfen gekommen, die letztlich bei 19 Schülern, die sich zum Teil im Schulgebäude, aber auch auf dem Schulhof aufgehalten hatten, zu Atemwegsreizungen führte.

Weitere 17 Schüler, die sich ebenfalls in der Nähe des Brandausbruchs aufgehalten hatten, seien ohne Beschwerden geblieben. Durch vor Ort befindliche Rettungs- und Notarztkräfte wurden die 19 Schüler noch an Ort und Stelle begutachtet.

Die ausreichende Frischluftzufuhr unter freiem Himmel abseits des Geschehens habe aber letztlich dafür gesorgt, dass sich die betroffenen 19 Schüler keiner weiteren Behandlung hätten unterziehen müssen und später in die Obhut ihrer Erziehungsberechtigten entlassen werden konnten.

Wie Thomas Eisenträger vom Katastrophenschutz des Kreises bestätigte, sollten sich alle Betroffenen auf Anweisung des leitenden Notarztes vor Ort einer Untersuchung durch einen sogenannten D-Arzt unterziehen. „Das diente der Sicherheit, damit der Vorfall dokumentiert ist.“ (Von Stefanie Salzmann)

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