IN ZAHLEN

Zu Hause in neuen Räumen - Umzug ist für Eschweger Tafel ein Glücksfall

Hier geht’s lang: Am ehemaligen Supermarkt in der Neustadt weisen Schilder den Weg zur neuen Eschweger Tafel. Der Zutritt erfolgt unbeobachtet über den Hintereingang.
+
Hier geht’s lang: Am ehemaligen Supermarkt in der Neustadt weisen Schilder den Weg zur neuen Eschweger Tafel. Der Zutritt erfolgt unbeobachtet über den Hintereingang.

Die Eschweger Tafel hat neue Räume bezogen. Im ehemaligen Supermarkt am Grünen Weg werden jetzt 167 Abholer versorgt.

Eschwege – Die Coronapandemie macht es unmöglich, die neuen Räume einer großen Öffentlichkeit vorzustellen. Deshalb haben wir uns umgesehen und stellen die Eschweger Tafel vor.

2 Euro muss jeder Abholer bezahlen, um bei der Eschweger Tafel einkaufen zu dürfen. „Der Beitrag deckt nicht die Kosten, dient aber der Wertschätzung“, sagt Vorsitzender Hans Liese. Dabei sei es egal, ob die Kunden anschließend für eine Person oder für die ganze Familie einkaufen würden.

3 Ausgabetage bietet die Eschweger Tafel jede Woche an. Montags, mittwochs und freitags kommen die Kunden über den Hintereingang des ehemaligen Supermarkts. Die Anonymität, im geschützten Raum anzustehen, würden die Kunden schätzen, sagt Liese.

Mit Abstand: Die Kunden werden nur einzeln zur Warenabholung vorgelassen. Vorher warten sie mit gebührendem Abstand. Die neuen Räume geben den Platz her. 

5 Wochen war die Eschweger Tafel während des Lockdowns im Frühjahr geschlossen. Alle Mitarbeiter der Tafel in Eschwege gehören zur Risikogruppe. Die Zeit haben die Ehrenamtlichen genutzt, um den Umzug vorzubereiten. Am 20. April hat die Eschweger Tafel als eine der ersten der 57 hessischen Tafeln wiedereröffnet. „Das war nur wegen der neuen Räume, in denen wir ein schlüssiges Hygienekonzept umsetzen können, möglich“, sagt Siegfried Furchert, Beisitzer im Vorstand.

22 Jahre existiert die Tafel inzwischen in Eschwege. Gegründet wurde sie im Stadtteilladen auf dem Heuberg. 2000 zog sie in die Hospitalstraße, 2011 in die Hindenlangstraße. Dort musste sie wegen eines Neubauprojekts weichen. Zehn Räume hat sich der Vorstand angeschaut, bevor ihnen der ehemalige Supermarkt, den sie sich mit der Hospizgruppe teilen, angeboten wurde.

25 Unternehmen spenden regelmäßig an die Eschweger Tafel. Supermärkte sind genauso dabei wie Bäcker und Landwirte. Mehrere Fahrer sind an fünf Tagen in der Woche unterwegs, um die Waren einzusammeln. Im nächsten Jahr muss der Transporter ersetzt werden.

38 Ehrenamtliche sorgen für den reibungslosen Ablauf. Drei Mitarbeiter werden geringfügig beschäftigt. Wenn die Waren bei der Tafel eintreffen, werden sie aufbereitet und vorsortiert. Was nicht mehr zu gebrauchen ist, geht an Landwirte. An drei Tagen werden die Waren ausgegeben.

Durch die Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter wurden die Gesamtkosten des Umzugs niedrig gehalten.

50 Kunden kommen pro Ausgabetag, um die Waren abzuholen. „Jeder Einkauf hat einen Wert von rund 30 Euro“, sagt Eckhard Göller, zweiter Vorsitzender. Etwa 20 Personen pro Woche werden darüber hinaus von der Tafel beliefert, weil der Weg zu beschwerlich ist. Fast alle Kunden kommen aus Eschwege (82 Prozent).

167 Abholer sind bei der Eschweger Tafel registriert. Alle empfangen Sozialleistungen. 45 Prozent davon sind Ein-Personen-Haushalte, der Rest Familien. Insgesamt werden somit derzeit 402 Personen von der Eschweger Tafel versorgt. 190 haben deutsche Wurzeln, etwa 210 besitzen einen Migrationshintergrund. 22 Prozent der Leistungsbezieher sind Rentner.

Margot Furchert führte jetzt Vertreter der Politik durch die Räume – ein Tag der offenen Tür musste ausfallen.

4000 Euro braucht die Eschweger Tafel jeden Monat, um die Betriebskosten zu erbringen. Das meiste kommt durch Spenden zusammen. „Ein Schüler spendet beispielsweise jeden Monat fünf Euro von seinem Taschengeld per Dauerauftrag an uns“, berichtet Hans Liese.

15 000 Euro hat der Umzug in die neuen Räume die Tafel gekostet. Mehr als zwei Drittel davon hat die Tafel Hessen übernommen. Viele Eschweger Handwerksbetriebe haben zu Sonderkonditionen gearbeitet, berichtet Liese. Besonders stolz ist er auf die handwerklich geschickten Mitglieder, die dem Verein viel Geld gespart haben. Knapp 500 Quadratmeter stehen der Eschweger Tafel jetzt im Grünen Weg zur Verfügung. Insbesondere die ehemalige Fleischtheke nutzen sie zur Warenabgabe – unter Einhaltung der Abstandsregeln. Im Hintergrund werden die Waren verteilt. Warteraum, ein großes Lager und ein Besprechungs- und Büroraum ergänzen das neue Raumangebot. (Von Tobias Stück)

Hilfe ständig gesucht: Ehrenamtlich mitarbeiten oder Sponsor werden

Die Arbeit der Eschweger Tafel ist ehrenamtlich. Drei Mitarbeiter sind geringfügig beschäftigt, der Rest arbeitet unentgeltlich. In den meisten Fällen sind die ehrenamtlichen Rentner und haben die 60 schon weit überschritten. Die Älteste ist 82 Jahre alt und seit der ersten Stunde vor 22 Jahren dabei. „Und hier liegt das Problem“, sagt der zweite Vorsitzende Eckhard Göller.

Der Verein brauche jungen Nachwuchs – sowohl bei der täglichen Arbeit als auch im Vorstand. Zu den Arbeiten zählen das Einholen der Waren, die Sortierarbeit und am Ende die Warenausgabe. Ebenso gern sind Sponsoren gesehen, die die Arbeit der Tafel regelmäßig unterstützen. Interessierte können unter 0 56 51/33 80 92 oder info@eschweger-tafel.de Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen unter eschweger-tafel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare