Eschwege geht in die Luft

Zum zweiten Mal trägt Lufthansa-Maschine Namen der Stadt Eschwege

Zwei Piloten sitzen im Cockpit einer Passagiermaschine und lachen Richtung Kabine in die Kamera.
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Große Freude: Der neueste Lufthansa-Airbus A320neo mit dem Namen Eschwege wurde von dem in Eschwege geborenen Lufthansa-Piloten Thomas Pausewang (links) und seinem Kollegen Bernhard Zinser abgeholt.

Ein neuer Airbus A320neo der Lufthansa trägt den Namen Eschwege. Abgeholt wurde die nagelneue Passagiermaschine von dem aus Eschwege stammenden Piloten Thomas Pausewang.

Eschwege/Hamburg – „Echt stolz“ sei er gewesen, als er das neue Flugzeug das erste Mal im Airbus-Flugzeugwerk in Hamburg-Finkenwerder gesehen hatte. Warum? Weil auf der Backboardseite der Name seiner Heimatstadt in großen Lettern prangte. „Und dann auch noch den Überführungsflug dieser nigelnagelneuen Maschine zu übernehmen war etwas Besonderes“, sagt Thomas Pausewang (52).

Dass ein Eschweger die neue Eschwege überführt, ist längst nicht selbstverständlich. Durch Zufall hatte Pausewang mitbekommen, dass es wieder ein Flugzeug mit dem Namen seiner Heimatstadt geben würde. Schon zwischen 2004 und 2015 hatte ein Mittelstreckenflugzeug der Lufthansa den Namen der Kreisstadt getragen, war dann aber außer Dienst gestellt worden. Also bewarb sich Thomas Pausewang für den Jungfernflug des neuen Modells. Der technische Pilot Bernhard Zinser, der eigentlich für die Überführung zuständig gewesen wäre, verzichtete gerne für seinen lokalpatriotischen Kollegen, saß aber ebenfalls im Cockpit.

Nähe zum Flughafen weckte Liebe zu Flugzeugen

Thomas Pausewang ist in Eschwege geboren und verbrachte bis zu seinem Studium in Darmstadt die ersten 20 Jahre in der Kreisstadt. Er besuchte die Geschwister-Scholl- und die Friedrich-Wilhelm-Schule sowie das Oberstufengymnasium. Nach dem Abitur 1987 wollte er zunächst auf den Spuren seines Vaters wandeln und Bauingenieur werden. An der TU Darmstadt begann er ein Studium. Die Nähe zum Frankfurter Flughafen weckte aber plötzlich seine Liebe zu Flugzeugen.

Er bewarb sich bei der Lufthansa und bestand 1991 den anspruchsvollen Einstellungstest zum Piloten. „Den möchte ich heute nicht noch mal machen“, denkt er an die schwierige Prüfung zurück. Seit 1995 ist er Pilot und begann auf einer Boeing 737 Kurzstrecke zu fliegen. Später folgte der Wechsel auf die Boeing 747, dem damals größten Passagierflugzeug der Welt. „Damals habe ich die Welt kennengelernt“, blickt Pausewang zurück. Fernost und Nordamerika gehörten bis 2007 zu seinen bevorzugten Flugzielen. Im gleichen Jahr wurde er Kapitän und kehrte auf die Kurz- und Mittelstrecken zurück. Heute ist er neben seinem Job als Flugkapitän auch Ausbilder und verbringt viel Zeit im Simulator und im Büro. Pausewang wohnt mit seiner Frau – mit der er schon zur Schule gegangen ist – und den beiden Töchtern in Langen.

Die Eschwege verbraucht weniger Sprit als ihre Vorgängerin

Dass die neue Eschwege in Zukunft das gleiche Schicksal ereilt, wie derzeit viele Lufthansa-Maschinen, glaubt Pausewang nicht. „Die Eschwege wird nicht geparkt, sie wird fliegen.“ Als Flugzeug der neuesten Generation verbraucht der A320neo trotz mehr Sitzplätzen (180) etwa 15 Prozent weniger Sprit als das Vorgängermodell. „Das ist in der Krise natürlich von Vorteil.“ Abgesagt wurde die Auslieferung der Eschwege indes nicht, weil sie im Bau schon zu weit fortgeschritten war. Bei anderen Projekten habe die Lufthansa bei der Modernisierung der Flotte zuletzt die Reißleine gezogen.

Bürgermeister Alexander Heppe ist „glücklich und dankbar“, dass Eschwege wieder Teil der Lufthansa-Flotte sei. „Das trägt unseren Namen in die Welt.“ Neben dem Flugzeug, den Patenschiffen Werra (Marine) und Eschwege (Bundespolizei) gibt es übrigens auch einen Cantus-Zug mit dem Namen der Kreisstadt.

Von Tobias Stück

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