Niedergelassene Kassenärzte im Kreis wollen Praxen erst mal nicht schließen

Zunächst kein Ärztestreik

Jan Purr

Patienten im Werra-Meißner-Kreis können erst einmal aufatmen: Sehr wahrscheinlich werden sich die 86 niedergelassenen Ärzte im Landkreis nicht an den angedrohten bundesweiten Streiks beteiligen.

Werra-Meißner.  Nach Auskunft des Großalmeröder Arztes und Vorsitzenden des Ärztebündnisses Werra-Meißner, Dr. Jan Purr, habe sich bislang noch kein niedergelassener Arzt entschlossen, seine Praxis für mehrere Wochen zu schließen.

„Ich persönlich halte es auch für den falschen Weg, auf Kosten der Patienten Honorarforderungen durchzufechten“, sagt Purr. Doch genau das planen die Ärzteverbände deutschlandweit derzeit: Nachdem die Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gescheitert sind, wollen sie die niedergelassenen Kassenärzte nun über einen Streik abstimmen lassen. Dies könnte bedeuten, dass Praxen wochenlang geschlossen bleiben.

„Es geht dabei aber nicht darum, dass Ärzte mehr verdienen müssen, denn Ärzte verdienen genug.“

Hintergrund ist der Unmut der Ärzte über den Schlichterspruch des erweiterten Bewertungsausschusses, der den Kassenärzten für das nächste Jahr eine Honorarerhöhung von 270 Millionen Euro oder 0,9 Prozent einräumt. „Diese Erhöhung ist zu gering“, betont Purr. Gefordert habe man 3,5 Milliarden.

„Es geht dabei aber nicht darum, dass Ärzte mehr verdienen müssen, denn Ärzte verdienen genug“, betont Purr. Vielmehr gehe es darum, dass die entstandenen Mehrkosten für Arztpraxen durch beispielsweise verschärfte Hygienevorschriften oder durch die Tariferhöhung von 3,1 Prozent für Arzthelfer abgedeckt werden. „Wir sind eben auch Unternehmer und müssen wirtschaftlich denken“, sagt Purr. Es könne von daher nicht sein, dass die durch Vorschriften und Tarifverträge entstandenen Mehrkosten von den Arztpraxen allein getragen würden. Dennoch setzt Purr eher auf Gespräche mit den Krankenkassen denn auf Streik. „Gerade hier bei uns im Kreis, wo es Lösungen geben muss für die älter werdende Bevölkerung, wäre ein Streik kontraproduktiv“, sagt er.

Das Ärztebündnis Werra-Meißner arbeitet deshalb an kreativen Lösungen, um Kosten für die Kassen zu senken. So soll beispielsweise die elektronische Krankenakte, die helfen kann, Untersuchungskosten zu verringern, weiter ausgebaut werden. Solche Bemühungen seien dann auch Grundlage für individuelle Honorarverhandlungen mit den Kassen, denn neben den allgemeinen Honorarverträgen können Ärzte auch noch eigene Verträge abschließen.

Von Diana Rissmann

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