Werra-Meissner-Kreis legt mit „Start“ ein Programm zur Berufsvorbereitung für Jugendliche auf

Der Weg zurück ins System

Zweite Chance fürs Lernen: Das Projekt Start des Werra-Meißner-Kreises macht es den Jugendlichen möglich. Foto : Salewski

Eschwege. Zwei Jahre lang war Dennis nicht in der Schule. „Es gab Probleme“, sagt er ganz leise, „ich hatte einfach keine Kraft mehr, weiter dorthin zu gehen.“ Nun aber ist die Kraft zurück. Gemeinsam mit fünf weiteren Jugendlichen aus dem Werra-Meißner-Kreis bereitet sich der 19-Jährige in der Werkstatt für junge Menschen auf den qualifizierten Hauptschulabschluss vor.

Seit August läuft dort das seitens des Werra-Meißner-Kreises eigens in Auftrag gegebene Programm „Start“ zur Verbesserung der Berufschancen für Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen irgendwann vom System abgehängt wurden. Lisa Martin etwa hat mit 16 ihren Sohn zur Welt gebracht und sich zunächst voll und ganz der Erziehung gewidmet. Jetzt, drei Jahre später, will sie wieder durchstarten und sich einen Ausbildungsplatz suchen - einen Schulabschluss hat sie.

Individuelle Förderung

„Die Maßnahme widmet sich nicht nur jungen Menschen, die noch Prüfungen ablegen müssen, sondern begleitet auch jene, die in den Arbeitsmarkt wollen“, so Diplom-Sozialpädagoge Andreas Britsch, „wir versuchen, ganz individuell auf die Teilnehmer einzugehen, und unterstützen sie dabei, eine tragfähige Lebens- und Berufswegeplanung zu entwickeln.“

Dabei geht es nicht allein um die Förderung des Lern- und Leistungsvermögens, sondern auch um die Stärkung der Persönlichkeit. „Manche unserer Teilnehmer haben schwierige Situationen erlebt, brauchen Vertrauen und Motivation“, erzählt Andreas Britsch. Daher gibt es neben zwei vollen Unterrichtstagen in der Woche auch einen Seminartag, der die Gruppe durch besondere Erlebnisse weiterbringen soll. Auch Bewerbungstraining, Praktika und die Entwicklung von berufsbezogenen Qualifkationen stehen je nach Bedarf auf der Agenda.

„Ich bin froh, dass es dieses Programm gibt“, sagt die 17-jährige Michelle Gliem. Auch sie will ihren qualifizierten Hauptschulabschluss machen, um bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz bessere Chancen zu haben. „Es ist schon eine Herausforderung, sich nach einer recht langen Pause wieder in den Stoff hineinzufuchsen“, meint sie, „aber glücklicherweise ist es hier ganz anders als in der normalen Schule, und wir bekommen wirklich ganz viel Unterstützung. Und die Lehrkräfte erklären uns auch alles noch einmal, wenn wir was nicht verstanden haben.“

Wirksamkeit ist bestätigt

Genau das, nämlich das Freisetzen neuer Motivation, ist ein ganz wichtiges Anliegen der berufsvorbereitenden Maßnahme, wie Ilona Friedrich vom Fachbereich für Jugend, Familie, Senioren und Soziales vom Werra-Meissner-Kreis erläutert. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern hat sie das Programm entwickelt, als nach einer Bedarfsanalyse des Arbeitsmarktes klar wurde, dass gerade junge Menschen in besonderen Problemlagen im Werra-Meißner-Kreis noch mehr Unterstützung erfahren müssen.

Neben Start, das über ein Jahr laufen soll, gibt es ein weiteres vom Kreis in Auftrag gegebenes Projekt zur Begleitung junger Menschen in ein erfolgreiches Berufsleben: Die ausbildungsbegleitende Unterstützung, kurz AbU, soll durch intensive sozialpädagogische Begleitung und individuelle Förderung von Auszubildenden die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss der Lehre erhöhen. Umfang und Dauer der Hilfen, die von der Werkstatt für junge Menschen und der Volkshochschule Witzenhausen angeboten werden, richten sich nach dem Bedarf der Teilnehmer. Nach den ersten Monaten haben die Beteiligten eine sehr positive Einschätzung zur Wirksamkeit der beiden Maßnahmen, die aus Mitteln des Landes Hessen sowie des europäischen Sozialfonds finanziert werden. Dennis kann das nur bestätigen. Er hat sein großes Ziel bereits fest vor Augen: Eines Tages will er als Polizist dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche nie ihre Kraft verlieren.

Von Melanie Salewski

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