Altenhilfeplan des Werra-Meißner-Kreises ist Basis für die bedarfsgerechte Kalkulation

400 zusätzliche Pflegeplätze bis 2019

Die Zahl der alten Menschen nimmt zu. Im Werra-Meißner-Kreis werden bis zum Ende des Jahrzehnts rund 400 zusätzliche Plätze in Pflegeeinrichtungen benötigt. Ein großer Teil ist bereits in der Entstehung. Foto: Stratenschulte

Eschwege. Der Anteil der alten Menschen in Deutschland wird immer größer. Der Werra-Meißner-Kreis ist da keine Ausnahme - im Gegenteil. In Eschwege und im Umland wächst die Zahl der Senioren in den nächsten Jahren kräftig. Die Prognosen sind im Altenhilfeplan festgehalten und Basis für die Kalkulation der Pflegeplätze.

Im Werra-Meißner-Kreis werden bis 2019 etwa 400 zusätzliche Plätze benötigt - 314 sind nach Angaben des Sozialamtes beim Kreis bereits in der Entstehung. „Die Prognose ist großzügig gerechnet“, sagt Fachbereichleiterin Ilona Friedrich. Als das Eschweger Unternehmen Grundinvest im Frühjahr ankündigte, auf dem Grundstück der ehemaligen Brauerei an der Cyriakusstraße eine zusätzliche Einrichtung mit 110 Plätzen bauen zu wollen, schlug der Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime, Torsten Rost, Alarm: Damit würde Überkapazität geschaffen und ein Verdrängungsprozess ausgelöst.

„Wir benötigen eine Auslastungsquote von 97 oder 98 Prozent, um wirtschaftlich arbeiten zu können“, erklärt der Betreiber des Lindenhofs, Rainer Wolf. Stünden nur zehn Prozent der Kapazitäten leer, bedrohe das Existenzen. Weitere 110 Plätze würden genau dazu führen.

Rosts Vorstoß hat inzwischen zu einem Umdenken in der Politik geführt. Die Entscheidungsträger im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung setzen sich detailliert mit der Problematik auseinander. Schließlich wären auch städtische Senioreneinrichtungen von Überkapazität bedroht. Nach Wolfs Einschätzung entstünden bis zu 25 Prozent Überkapazität in der Kreisstadt. Und an eine Vermarktung im Hochpreissegment glaubt der erfahrene Unternehmer auch nicht. „Wo sollen denn die betuchten Senioren herkommen?“, fragt er. Genau auf diese Zielgruppe setzt das Konzept von Grundinvest. Die übrigen Einrichtungen seien von den Plänen deswegen und wegen des außerdem geplanten Schulungszentrums für Angehörige Demenz-Kranker auch gar nicht betroffen, so die Befürworter. Grundsätzlich müsse die Stadt vitale Interessen ihrer eigenen Heime schützen, das vorliegende Vorhaben habe man aber so verstanden, dass die neue Einrichtung keine Konkurrenz sein solle, sondern ein neues Angebot, das es so noch nicht gebe, argumentiert CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Schneider. Lothar Dietrich, Fraktionsvorsitzender von B 90/Gr., entgegnet: „Was macht der Investor, wenn die reiche Klientel ausbleibt?“ Die Belegschaft der städtischen Seniorenheime verzichte seit sieben Jahren auf Einkommensteigerungen, da könne es jetzt nicht sein, dass die Stadt Konkurrenz zulasse, die den Bestand gefährde. (hs)

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