Bewährung für Betrüger

Zwei Jahre Freiheitsstrafe: Ehemaliger Pool-Händler in 61 Fällen schuldig gesprochen

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Eschwege. Dem Pool-Betrüger aus Witzenhausen hat für seine mehr als 60 Delikte der Eschweger Amtsgerichtsdirektor Dr. Alexander Wachter gestern eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auferlegt.

Diese wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Wobei sechs Monate sowieso schon als vollstreckt gelten, weil die Justiz mitverantwortlich dafür ist, dass die Taten von 2011 erst jetzt verhandelt wurden.

Wachter sah es nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der 39-jährige ehemalige Unternehmer in 46 Fällen gewerbsmäßigen Betrug begangen und 15-mal Sozialversicherungsbeiträge für seine damaligen Mitarbeiter nicht abgeführt hat. Bei den Betrugsvorgängen hat er 45 Zahlungen von Kunden in Höhe von beinahe 23.000 Euro entgegengenommen, ohne die Ware – Pools und Zubehör – zu liefern. Ferner kaufte er zusammen mit einem Geschäftspartner als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) im November 2011 ein Grundstück samt Wohnhaus in Bad Wildungen im Wert von rund 280.000 Euro, um Mieteinnahmen zu kassieren. Der Kaufpreis wurde nie überwiesen.

Zu diesem Zeitpunkt war zudem längst das Insolvenzverfahren eröffnet. Zwei Millionen Euro Schulden hatte der 39-Jährige mit seiner Firma. Warum er trotzdem den Kaufvertrag über die Immobilie abschloss, bleibt unklar. Der Verkäufer aus Bad Wildungen sagte gestern als Zeuge aus, dass auch er sich 2011 wirtschaftlichen Problemen ausgesetzt sah. Deswegen verkaufte sein Kreditgeber, die Sparkasse Waldeck-Frankenberg, das Grundstück. Im Notarvertrag sei trotz seines Unmuts geregelt gewesen, dass Nutzen und Lasten schon auf die Käufer übergehen, obwohl der tatsächliche Erwerb erst Wochen später stattfinden sollte. Dadurch habe der Angeklagte zusammen mit seinem Kompagnon 16.000 Euro wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Die GbR verpflichtete sich in einem Vergleich vor dem Landgericht Kassel dazu, 10.000 Euro zu einer bestimmten Frist zu begleichen.

Wie der GbR-Partner des Ex-Pool-Vertreibers danach schilderte, gab es einen Vertrag, der regelte, dass beide Gesellschafter zu 50 Prozent für alle Handlungen aufkommen müssten. „Ich habe damals geschäftlich zwei Kredite im Wert von insgesamt 500.000 Euro an ihn vermittelt und dabei die beeindruckende Bilanz 2010 gesehen. Auf meine Initiative hin haben wir dann gemeinsam das Grundstück gekauft. Zahlen wollte er. Ich hätte bis zu 30 Prozent Rendite rausgeholt“, sagte der Witzenhäuser, der alleine 10.000 Euro für den Vergleich geblecht hat. „Betrogen“ habe er sich gefühlt. Aber wegen der Insolvenz sei bei seinem Geschäftspartner ja ohnehin nichts zu holen gewesen.

Zweifelsfrei belegen konnten gestern ferner Vertreter dreier Krankenkassen, dass in der Addition noch circa 35 000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen bei ihnen ausstehen. Doch auch sie haben das Geld wegen der Millionenpleite nie zu Gesicht bekommen. Dass der Verurteilte Zahlungen von Kunden in 45 Fällen kassiert hat, ohne Ware liefern zu können, wurde bereits am ersten Verhandlungstag am Dienstag geklärt (wir berichteten). Heute arbeitet der Geschiedene als Angestellter und verbringt seine Freizeit gerne mit seinem Sohn. „Mir tut das alles wirklich leid, ich werde es nie wieder tun“, sagte er in seinem Schlusswort.

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