Geschichte

Zwei Stunden von Eschwege bis nach Bebra: 1875 startete der planmäßige Zugverkehr

Eines der ältesten erhaltenen Bilder: der Bahnhof in Niederhone um 1905. Von hier aus wurde die Bebra-Friedländer-Bahn als Stichbahn in die Kreisstadt verlängert.
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Eines der ältesten erhaltenen Bilder: der Bahnhof in Niederhone um 1905. Von hier aus wurde die Bebra-Friedländer-Bahn als Stichbahn in die Kreisstadt verlängert.

Eine Stunde und 50 Minuten war der Zug 1875 zwischen Bebra und Eschwege unterwegs. Über die Bahnhöfe Niederhone, Hoheneiche, Sontra und Cornberg ging es in den Nachbarkreis.

Eschwege – Heute unvorstellbar. 28 Minuten dauert die Fahrt zwischen den beiden Kleinstädten aktuell. Jede Minute Verspätung wird von den Reisenden mit Argwohn kommentiert. Heute vor 145 Jahren hat in Eschwege der erste Zug planmäßig halt gemacht. Seit dem 31. Oktober 1875 gibt es die Verbindung.

Der erste Fahrplan: Am 30. Oktober 1875 gab es eine Extrafahrt zwischen Eschwege und Bebra.

Erste Abfahrt eines Zuges von Eschwege war am 31. Oktober um 5 Uhr – der Beginn einer langen und wechselvollen Eisenbahntradition in der Kreisstadt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bemühte man sich laut den Aufzeichnungen von Erwin Bödicker um einen Bahnanschluss für Eschwege.

1864 wurde dem Antrag der Herren Harnier und Schedtler stattgegeben. Fast zehn Jahre dauerte es, bis 1873 die ersten Bauarbeiten in Angriff genommen wurden. Dann ging alles ganz schnell. Bereits mit der Eröffnung hatte Eschwege einen Güterschuppen, eine Laderampe, einen einständigen Lokschuppen und sogar eine Gleiswaage.

Schon zu kurhessischen Zeiten, also vor 1866, war eine Nord-Süd-Verbindung der Eisenbahn geplant. Eschwege hatte immer um einen Bahnanschluss gebeten, schreibt Eisenbahnhistoriker Edgar Brill. Seit Ende Oktober 1875 ist Eschwege mit der Bahn zu erreichen – durch den Bau der Bebra-Friedländer-Bahn, die über Niederhone nach Eschwege als Stichbahn verlängert wurde.

Am 30. Oktober, so hat es Erwin Bödicker, der in Eschwege das Eisenbahnmuseum betreibt, herausgefunden, gab es eine Extrafahrt von Eschwege nach Bebra und zurück. Ein festlich geschmückter Zug eröffnete an diesem Tag die Strecke unter lautem Hurra der ungefähr 1000 Zuschauer. Hinterher gab es ein großes Festessen im Stadtbausaal, ausgerichtet vom Hotelier Koch.

Ab dem 1. Mai 1902 war Eschwege nicht nur Start- oder Zielbahnhof in Richtung Malsfeld oder Leinefelde. Ab diesem Tag konnte jetzt auch über Schwebda nach Treffurt und sogar fünf Jahre später bis Eisenach gefahren werden.

Nach 1908 bekam der Hausbahnsteig direkt am Empfangsgebäude eine Überdachung, 1912 wurde östlich davon noch ein Personentunnel gebaut, um den Fußgängern das Warten vor der oft geschlossenen Schranke zu ersparen. Mitte der 1930er- Jahre wurden auch der heutige Industriehof und der neue Flugplatz per Gleis an den Bahnhof angeschlossen.

Im Zweiten Weltkrieg traf ein Fliegerangriff der Alliierten am 22. Februar 1945 den Eschweger Bahnhof schwer. Dabei wurde das Betriebswerk komplett zerstört sowie noch ein Teil der danebenliegenden Eisenbahnstraße. Bei diesem Angriff kamen 44 Menschen ums Leben. Nur einen Tag später war die Strecke Eschwege – Niederhone wieder befahrbar.

Der Güterumschlag in Eschwege war in den Nachkriegsjahren beträchtlich, hatte doch im sogenannten Industriehof jede Firma einen Gleisanschluss. Eine Dampflok wurde extra für die Zustellung und Abholung der Güterwagen dafür eingesetzt, die damit den ganzen Tag zu tun hatte.

Vereinzelt war noch Güterverkehr, teils bis 1996, auf der gesamten Strecke Wanfried über Eschwege bis Kassel vorhanden. In den 1980er-Jahren wurden die Häuser an der Eisenbahnstraße komplett abgerissen.

Ab 1954 kamen die ersten Schienenbusse nach Eschwege. Die letzte Dampflok, die planmäßig mit einem Personenzug nach Eschwege kam, fuhr am 2. Juni 1973. Ab jetzt fuhren hier die letzten Jahre nur noch Dieselloks und Schienenbusse.

Ende und Neuanfang

Mit Einstellung des Personenzugverkehres nach Wanfried 1981 und des kompletten Personenzugverkehres von Eschwege nach Kassel zum 31. Mai 1985 war der Bahnhof Eschwege nach über 100 Jahren Geschichte. Fast alles wurde zurückgebaut.

Von 1985 bis 2009 war Eschwege West bei Niederhone 24 Jahre Eschweges Tor zur Welt. Erst 2009 bekam Eschwege seinen Stadtbahnhof zurück, wo heute vor 145 Jahren der erste Zug eingefahren war. (Von Tobias Stück)

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