Vortrag von Pfarrerin Hanna Niranjan über die Rolle der Frau in Indien

Zwischen Moderne und Tradition

Ambivalentes Rollenbild der Frau in Indien: Hanna Niranjan referierte über Karrierefrauen und Vergewaltigungsopfer. Foto: Weber

Eschwege. In letzter Zeit häufen sich die Berichte von Vergewaltigungen in Indien und rücken die Aufmerksamkeit auf die Situation der Frauen in der indischen Gesellschaft. In ihrem Vortrag im Gemeindehaus der Marktkirche In Eschwege kam Pfarrerin Hanna Niranjan nicht umhin, auch über dieses schwierige Thema zu berichten.

In Indien gibt es zu wenige Frauen, da Mädchen keine Wunschkinder indischer Eltern sind. Wenn diese verheiratet werden sollen, was traditionell von den Eltern entschieden wird, muss eine Mitgift an den Bräutigam gezahlt werden. Gegen Abtreibung von Mädchen, gegen arrangierte Ehen und auch gegen Vergewaltigung gibt es Gesetze, doch die Tradition ist in der gelebten Praxis immer noch mächtig.

Dabei ist die indische Gesellschaft sehr ambivalent, berichtet Hanna Niranjan. „Es gibt sehr viele gut ausgebildete Frauen in Führungspositionen, sogar eine Premierministerin hatten wir, auf der anderen Seite gibt es jedoch auch viele sehr arme Familien, in denen die Frauen immer noch Analphabeten sind“, sagt die Pfarrerin, die in ihrer Diözese in Südindien die Vorsitzende einer Frauen-Hilfsorganisation ist. Diese unterstützt etwa HIV-infizierte Frauen oder organisiert Förderprogramme für Mädchen vom Lande, in denen sie die Chance auf eine Berufsausbildung erhalten sollen. Dass in Indien nun im Land selbst über Vergewaltigungen berichtet wird, ist eine neue Entwicklung. „Es geht darum, endlich ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Vergewaltigung von Frauen ein Verbrechen ist und die Täter härter bestraft werden müssen“, sagt Hanna Niranjan.

„Unsere Gesellschaft ist bereit für ein neues Denken.“ Gefragt nach den Gründen für die Übergriffe, erklärt die Pfarrerin, dass Vergewaltigungen auch als ein Instrument benutzt würden, Frauen aus den unteren Kasten am gesellschaftlichen Aufstieg zu hindern. Durch den Übergriff verlieren sie nämlich jedes Ansehen. Gesellschaftliche Unterschiede prägen das Leben immer noch stark. Auch die Christen in Indien, die nur drei Prozent der Bevölkerung ausmachen, werden als Minderheit immer noch unterdrückt.

Teilnahme am Gottesdienst

Grüße seiner Kirche, seines Kirchenkreises und seiner Heimatgemeinde überbrachte Isaac Matthew, Dekan des Kirchenkreises Bellary der Kirche von Südindien, im Gottesdienst an Christi Himmelfahrt im Botanischen Garten in Eschwege. Bei herrlichem Wetter hatte sich eine große Gemeinde unter sonnigem Himmel versammelt. „Strahlen brechen viele aus einem Licht und wir sind eins durch ihn“, sang die Gemeinde in Begleitung des Eschweger Posaunenchors. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Predigt des Gastes aus Bellary in Südindien. „Ich spüre heute, dass wir in Christus verbunden sind“, sagte Isaac Matthew, „und wir sind Partner, wenn es darum geht, seinen Willen zu erfüllen.“ (kw)

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