Schlagersänger im Interview

Zwischen Schlagerkarriere und Nachtdienst: Michele Joy über Beruf und Musik

Michele Joy blickt in die Kamera.
+
Arbeitet als Pfleger im Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie: Michele Grabowski.

Michele Grabowski arbeitet als Pfleger im Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Werra-Meißner (ZPP). Im Interview spricht er über seinen Beruf und seine Schlagerkarriere unter dem Namen Michele Joy.

Wie bekommen Sie Ihre hauptberufliche Tätigkeit im ZPP und Ihre Schlager-Karriere zeitlich unter einen Hut?
Das ist eine sehr gute Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme in Interviews, da es ein wirklich hohes Pensum ist. Um alles unter einen Hut zu bekommen, benötige ich ganz viel Disziplin, Kraft und auch den nötigen Willen. Die letzten zwei Jahre haben mich schon an meine Grenzen gebracht. Der Terminkalender war sehr voll und auch meine Dienste hier im Klinikum mussten absolviert werden. Ich mache nur Nachtdienst und habe eine Teilzeitstelle, anders wäre dies gar nicht machbar. Letztes Jahr kam auch noch hinzu, dass ich meine Schwester gemanagt habe. Eine Newcomerin aufzubauen, kostet enorm viel Kraft. Trotzdem bin ich stolz, wo sie sich innerhalb eines Jahres mit meiner Hilfe hinkatapultiert hat.
Wenn Sie irgendwann von Ihrer Schlagermusik leben können – verliert das Klinikum dann einen guten Mitarbeiter?
Mein Traum und mein Ziel ist es natürlich, irgendwann von der Musik leben zu können. In der jetzigen Situation, wo bis jetzt fast alle Auftritte weggebrochen sind in diesem Jahr, bin ich froh, dass ich schon immer den Weitblick hatte, den Beruf hier zu behalten, da das Musikgeschäft zudem heute noch viel schnelllebiger geworden ist als vor 20 bis 30 Jahren. Es kann ganz schnell nach oben gehen, jedoch auch noch viel schneller nach unten. Auch wenn es zuletzt eine hohe Belastung war, habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich mir selbst irgendwann dafür danken werde. Nun ist dieser Zeitpunkt da und ich bin, im Gegensatz zu manch anderen Künstlerkollegen, die ausschließlich von der Musik leben, recht tiefenentspannt.
Gehören Ihre direkten Kollegen zur Fanbase?
(lacht) Ich würde jetzt nicht sagen Fanbase, da ich dieses Wort nicht besonders mag und die Menschen, welche meine Musik mögen, nun wirklich nicht FANatisch sind! Somit sage ich, dass ich ein klasse Team um mich habe auf Station und sie mich wirklich auch sehr unterstützen. Ich rede viel über die Musik mit meinen Kollegen und sie sind auch sehr interessiert, wenn ich die ein oder andere Story aus der „verrückten“ Showbranche erzähle (lacht).
Was schätzen Sie an Ihrem Job im Klinikum?
Ich schätze an meinem Beruf im Klinikum auf der allgemein- und gerontopsychiatrischen Station, dass ich genau das beruflich ausüben kann und darf: die Arbeit im psychiatrischen Bereich. Das ist genau mein „Ding“. Ich arbeite unheimlich gerne in diesem Bereich. In den zehn Jahren, die ich jetzt auf der Station 14 arbeite, habe ich, was das Gespür für die Befindlichkeit anderer Menschen betrifft, enorm viel lernen dürfen, noch schneller hinter Fassaden schauen zu können und andere Menschen spüren zu können.
Was sind Ihre Ziele für Ihre Musikkarriere?
Das primäre Ziel sollte es immer sein, gesund zu bleiben und alles dafür zu tun. Ohne die Gesundheit geht nichts. Des Weiteren arbeite ich weiter unermüdlich daran, dass es vielleicht irgendwann klappt, ausschließlich von der Musik leben zu dürfen. Ich habe aufgehört, mir explizite Ziele zu stecken, weil diese Branche ganz anders tickt und es meist ohnehin anders kommt als man denkt.

Zur Person

Michele Grabowski wohnt in Eschwege, ist 35 Jahre alt und ledig. Nach dem Fachabitur absolvierte er eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger und ein Bachelorstudium im Bereich Pflegewissenschaften. Hobbys: Musik und mit dem Hund die Natur erkunden. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare