Bürgerversammlung: Viele Anwohner sind empört - und besorgt

Ausbau der Autobahn 44 bei Kaufungen: „Die Verzögerung ist Kalkül“

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Hier wird bereits an der A 44 gebaut, anders als zwischen Kassel und Helsa-Ost: der Tunnel Hirschhagen mit Blick auf das Westportal bei Helsa. Im Hintergrund sind die B 7 und das Lossetal zu sehen.

Seit knapp 30 Jahren wird der Ausbau der A44 geplant. Ein Mammutprojekt. Viele Kaufunger haben in Bezug auf die Planungen ein mulmiges Gefühl, die Sorgen sind groß.

Was ist der Stand der Dinge in Sachen Autobahn 44 vor den Toren Kaufungens? Was ist bereits in Stein gemeißelt und was lässt sich noch ändern? Das waren die entscheidenden Fragen bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Kaufunger Bürgerhaus. 

Eines schienen die rund 60 Veranstaltungsbesucher zu teilen: Ein mulmiges Gefühl über das Mammutprojekt, das bereits seit den frühen 1990er-Jahren in der Planung steckt und laut Hessen Mobil rund zwei Milliarden Euro kostet. Und dessen Planung für den letzten Bauabschnitt sich nun um rund ein Jahr verzögert.

Empörung und über eintausend Einwendungen zu A44-Planungen bei Kaufungen

Bürgermeister Arnim Roß (SPD) und Anne Ottowitz, die sich am runden Tisch zum Thema A44 beteiligt, schilderten eingangs den Stand der Dinge: 2006 habe die Planungsbehörde Hessen Mobil Pläne für den Bauabschnitt zwischen Helsa-Ost und Kassel in Kaufungen vorgestellt. Das Ergebnis: „Empörung und über eintausend Einwendungen“, sagte Roß. Da sich Hessen Mobil daraufhin nicht gerührt habe, habe die Gemeinde ab 2010 versucht, die Pläne der Behörde einzusehen. „Ohne Erfolg“, so Roß.

Das Dialogverfahren mit Hessens Verkehrsminister Tarek-Al Wazir (Grüne) zwischen 2014 und 2016 habe zwar manches geklärt, aber auch Fragen offen gelassen. Das sei laut Ottowitz auch problematisch, weil sich der Pkw- und Schwerlastverkehr auf der B7 drastisch erhöhen werde, sobald die A44 zwischen Herleshausen und Helsa-Ost fertiggestellt ist. Es gab also viel Gesprächsstoff.

Informierten sich: Etwa 60 Bürger kamen zur Versammlung zum Thema A 44.

Ist Verzögerung beim A44-Ausbau Kalkül?

Der Kaufunger Christoph Rombach wollte wissen, ob es Kalkül und Zermürbungstaktik seitens Hessen Mobil ist, dass sie den Autobahnausbau zwischen Helsa-Ost und Kassel verzögert. Er bezog sich auf das von Ottowitz angesprochene erhöhte Verkehrsaufkommen, das vor allem mehr Lärm bedeute. „Soll sich Kaufungen durch die stärkere Verkehrsbelastung die fertige A44 herbeisehnen, nachdem hier lange dagegen protestiert wurde? Und wie sieht es dann mit dem Lkw-Fahrverbot aus?“

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Bürgermeister Roß bestätigte: „Ja, die Verzögerung ist Kalkül. Unser Bauabschnitt wurde als Letzter geplant und bis heute wurde nicht auf die Einwendungen geantwortet.“ Das Lkw-Fahrverbot, dass es eigentlich auf der B7 während der Bauzeit geben soll, könne gekippt werden, weil von Lobbyisten Druck auf Behörden und Ministerium ausgeübt werden könne. Denn wer sei damit zufrieden, wenn er mit einem Lkw auf einer Autobahn fährt, die dann quasi in eine Bundesstraße mündet, die er nicht befahren kann?

Hessen Mobil plant wohl nur einen Minimum an Lärmschutz

Die A44 kommt, nur wie laut wird es dann? Das fragten sich Einige: SPD-Fraktionsvorsitzende Angelika Großberndt erklärte, sie habe durch das Dialogverfahren das Gefühl, Hessen Mobil plane nur ein Minimum an Lärmschutz. Konkretes sei aber noch nicht bekannt.

Auch das Thema Einhausung des A44-Abschnitts kam in diesem Zusammenhang zur Sprache. „Da wir den Trassenverlauf ja nicht mehr ändern können, wäre das eine Lärmschutzalternative“, sagte ein Bürger. „Das Thema ist bis zum Bundesverkehrsminister gegangen, der hat das allerdings abgelehnt“, so Roß.

„Ich warne davor, dass hier eine Brexit-Mentalität aufkommt. Dass man genau weiß, wogegen etwas ist, aber nicht wofür“, sagte Karl Nesemann. „Der Verkehr wird an Kaufungen vorbeiführen und wir müssen gucken wie.“ Ein weiterer Bürger stellte die konkrete Frage: „Auf was wollen wir nun hinarbeiten?“

Grünen-Vorsitzender Jochen Lody gab als Antwort: „Unsere Ziele können sein, dass die Autobahn nicht direkt an den Häusern vorbeiführt und wir den bestmöglichen Lärmschutz bekommen.“ Daraufhin richtete Anne Ottowitz einen Appell an die Bürger: „Hessen Mobil muss merken, dass es hier nicht nur einen runden Tisch gibt, der protestiert, sondern auch Sie den Protest mittragen.“ Zum Thema sei ein Workshop geplant, „bei dem jeder sicherlich einen passenden Bereich für sich findet.“

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