Knapp die Hälfte der kooperativen Gesamtschulen kehrt zu G 9 zurück - Petition verfasst

Abkehr vom Turbo-Abi

Konzentriertes Lernen: Das Turbo-Abitur in Hessen ist seit seiner Einführung umstritten. Viele kooperative Gesamtschulen kehren zum Abitur nach 13 Jahren zurück. Foto: dpa

kassel. Immer mehr kooperative Gesamtschulen in Hessen wenden sich vom Turbo-Abitur ab. Bis zum Schuljahr 2009/2010 haben 44 der 116 kooperativen Gesamtschulen (KGS) die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit beantragt, teilte die nordhessische SPD-Landtagsabgeordnete Brigitte Hofmeyer unserer Zeitung mit. Laut Kultusministerium beabsichtigen weitere acht kooperative Gesamtschulen, zum Schuljahr 2010/11 zur sechsjährigen gymnasialen Mittelstufe zurückzukehren. Die Wahlmöglichkeit für die KGS hatte der geschäftsführende Vorgänger von Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP), Jürgen Banzer (CDU), eingeführt.

Hofmeyer, die Mitglied des Schulausschusses ist, sieht in diesen Zahlen den „Beweis für das Scheitern der auf acht Jahre verkürzten Gymnasialzeit.“ Die SPD plädiere weiterhin für eine Verkürzung am Anfang und am Ende der Schullaufbahn, also im Bereich der Schuleingangsstufe und an der Oberstufe.

Auch bei den Betroffenen reißt die Kritik nicht ab. Landeselternbeirat und Landesschülervertretung hatten im April Schüler, Eltern und die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, sich in Unterschriftenlisten einzutragen, um einen Petitionsantrag zu unterstützen. Damit soll die um ein Jahr verkürzte Sekundarstufe I (Unterstufe und Mittelstufe) wieder verlängert werden. Beklagt wird, dass sie nur noch bis zur neunten Klasse dauert und deshalb ein Schüler das Gymnasium nach der Mittelstufe nicht mehr mit der mittleren Reife verlassen kann. Die Eltern- und Schülervertreter bemängeln zudem eine schlechtere Qualität des Unterrichts, mangelnde Nachhaltigkeit des Lernerfolgs und einen „unerträglichen Stress“ für alle Beteiligten.

Unterstützung erhalten sie auch vom Hessischen Philologenverband (HPhV): „Wir verstehen den Unmut der Schüler und Eltern und sehen uns in unseren Befürchtungen bestätigt“, erläutert der Vorsitzende Dr. Knud Dittmann gegenüber der HNA: „G 8 ist nicht ohne Qualitätsverlust zu machen, was der angestrebten Qualitätsoffensive der Landesregierung widerspricht.“

Nach Ansicht des HPhV führt die generelle Kürzung der gymnasialen Schulzeit um ein Jahr zu weniger Bildung und damit zu niedrigerem Abiturniveau. „Die Universitäten können daher von G8-Abiturienten nicht den gleichen Bildungsstand voraussetzen wie von G9-Absolventen.“ Der Verband fordert daher, auch den Gymnasien eine Wahlmöglichkeit einzuräumen, ob sie in acht oder neun Jahren zum Abitur führen wollen.

Im Wiesbadener Kultusministerium hält man an der bisherigen Regelung fest (siehe Stichwort). Durch die Wahlmöglichkeit bietet man den Schülern nach der Grundschule mehrere Wege zum Abitur, was es jedem Schüler ermögliche, den für ihn passenden Weg zu wählen, heißt es.

Von Ullrich Riedler

Quelle: HNA

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