Halter überfüttern ihre Lieblinge

Ach, du dicker Hund: Immer mehr Haustiere sind übergewichtig

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Wenn das Gewicht zur Qual wird: Dieser Mischlingshund leidet unter extremer Fettleibigkeit. Verantwortungsbewusste Halter lassen es nicht soweit kommen.

Kassel. Zur Adventszeit lässt kaum ein Hesse die Finger von Plätzchen. Speckröllchen sind oft die Folge. Doch nicht nur Menschen leiden unter Extra-Pfunden: Auch Minka und Bello haben damit zu kämpfen.

„Ich schätze, dass 40 bis 50 Prozent der Hunde und Katzen, die zu uns in die Praxis kommen, zu dick sind“, sagt Dr. Wolfgang Doering, der eine Tierklinik in Kassel leitet.

Diese Zahlen bestätigt sein Kollege Dr. Bernd Schmidt aus Wabern. Auch Karsten Plücker, Leiter des Kasseler Tierheims Wau-Mau-Insel, stimmt zu. „Katzen, die zwölf oder 13 Kilogramm wiegen, sehen wir häufiger“, sagt Plücker.

Auch Schmidt sieht heute rund 15 Prozent mehr übergewichtige Hunde und Katzen als noch vor zehn Jahren. Das ist ein Trend, den die hessische Landestierschutzbeauftragte ebenfalls bemerkt: „Die Fachliteratur bestätigt, dass unsere Haustiere immer dicker werden. Außerdem steigt die Nachfrage bei Diätfutter“, sagt Dr. Madeleine Martin.

Den Grund für die Brummer in hessischen Haushalten kennt Doering: „Es liegt meist am Halter. Denn das Haustier beschafft sich sein Futter in der Regel nicht selbst.“ Wer falsch füttert und dazu Leckerlis verteilt, muss nicht lang warten, bis sein Tier aus der Form gerät. „Viele kompensieren eben Tierliebe mit Futter“, sagt Plücker.

Besonders jetzt zur Weihnachtszeit locken die Hersteller mit den skurrilsten Dickmachern: Adventskalender gefüllt mit Leberwürstchen und Pasteten in der Tannenbaum-Schale. „Das Futter wird in erster Linie für Menschen hergestellt – denn sie kaufen es“, sagt Martin.

Tiere werden krank

Der Haustier-Speck ist gefährlich, denn übergewichtige Katzen und Hunde leiden an den gleichen Krankheiten wie dicke Menschen. Diabetes, Leberverfettung und Gelenkschmerzen sind dabei keine Seltenheit.

Auffällig ist, dass dicke Vierbeiner in vielen Fällen rundliche Besitzer haben. „Etwa 80 Prozent der übergewichtigen Halter haben auch ein dickes Tier“, schätzt Doering. Das Essverhalten des Menschen wird also auf den pelzigen Liebling übertragen.

Doch es sind ebenfalls ältere Menschen, die Hund und Katze fettfüttern. In zwei Fällen, die Plücker erlebt hat, sind die Tiere geradezu gemästet worden: Eine Hauskatze, die er im Heim aufnahm, wog knapp 18 Kilogramm. Nach einer Diät wurde sie vermittelt und bringt noch neun Kilo auf die Waage. Ein Terrier-Mischling kam mit fast 30 Kilo ins Tierheim. Jetzt sind es 16 Kilo – Normalgewicht. „Beide lebten bei älteren Haltern und bekamen zu wenig Bewegung und zu viel Futter“, sagt Karsten Plücker.

Laut des Industrieverbandes Heimtier beherbergten die Deutschen 2009 etwa 8,2 Mio. Katzen und 5,4 Mio. Hunde. Zahlen für einzelne Bundesländer gibt es nicht. Bekannt ist auch nicht, wie viele der Tiere übergewichtig sind. „Für solche Zahlen fehlen Anhaltspunkte“, sagt Martin. Denn Hunde müssen gemeldet werden, Katzen nicht. (dob)

Abspecken: Tipps und Tricks

Rippen fühlen: Ob Bello oder Minka zu dick sind, merkt der Halter schnell beim Streicheltest. Sind die Rippen beim Streicheln problemlos zu fühlen, ist alles okay. Beim Hund sollte von oben eine Taille erkennbar sein. Eine Hauskatze sollte nicht viel mehr als fünf Kilogramm wiegen. Bei Hunden kommt es immer auf die Rasse an. Ein Chihuahua wiegt im Idealfall zwei Kilogramm, Bernhardiner-Rüden haben auch mit 85 Kilogramm eine Top-Figur. Tierarzt aufsuchen Bevor die Schlankheitskur beginnt, sollte ein Tierarzt den Vierbeiner untersuchen.

Außerdem ist nicht immer zu viel Futter der Grund für die Speckschicht. Es gibt auch Tiere, die krankheitsbedingt dick werden. Schilddrüsen-Erkrankungen kommen beispielsweise auch bei Hund und Katze vor. Dann helfen Medikamente, die der Arzt verschreibt. Wiegen ist wichtig Wird das Tier auf Diät gesetzt, muss es vorher gewogen werden. "Das Gewicht ist die Basis, um zu wissen, wie viel gefüttert werden darf", sagt Tierarzt Dr. Wolfgang Doering.

Auf der Futterpackung steht, welche Menge ein Tier in seiner Gewichtsklasse bekommen darf. Von dieser Menge sollte dann ein Drittel abgezogen werden. Darf eine Katze laut Tabelle 90 Gramm fressen, bekommt sie also nur noch 60. Alternativ gibt es auch kalorienarmes Diätfutter.

Quelle: HNA

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