Lehrstandserhebung für Drittklässler

Ärger an Grundschulen: Kinder werden „beschämt“ 

Wiesbaden. Neuer Ärger droht inzwischen aus Hessens Grundschulen: Dort sorgen derzeit „Lernstandserhebungen“ in den dritten Klassen für Unruhe. Tests an drei Tagen in Lesen, Rechtschreiben und Rechnen - mit Aufgaben, die in einer Mitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „Hammer auf die Köpfe der Achtjährigen“ genannt werden.

Was Lehrer und Gewerkschaft besonders ärgert: Bei Mathe sei es auch um Wahrscheinlichkeitsrechnung und Kombinatorik gegangen, um Themen, „die im noch gültigen Rahmenplan von Hessen überhaupt nicht vorgesehen“ seien.

Vom Umfang und von den Anforderungen her würden Kinder hier „beschämt“ und vorgeführt, zitiert die GEW eine Lehrerin. Die Tests taugten nicht zur Lernstandserhebung, sondern zur Feststellung der „Leidensfähigkeit der Achtjährigen“. Man frage sich, wie Hessens Kultusministerium die von der Kultusministerkonferenz (KMK) zentral gestellten Aufgaben habe „unkommentiert durchleiten“ können?

Stefan Wesselmann, Vize-Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, der selbst auch Schulleiter und Klassenlehrer einer dritten Klasse ist: „Solche Lernstandserhebungen überfordern Lernschwache hoffnungslos, frustrieren selbst Leistungsstarke und nehmen Lehrkräften den letzten Rest an Vertrauen, den sie dem Institut für Qualitätsentwicklung noch entgegengebracht haben.“

Aus dem Wiesbadener Kultusministerium hieß es am Nachmittag auf Anfrage unserer Zeitung: "Wir werden die Rückmeldungen aus den Schulen sorgfältig analysieren und Kritik an den Lernstandserhebungen in der KMK zur Diskussion stellen." (wrk)

Quelle: HNA

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