Kritik an gelockertem Nichtraucherschutzgesetz - 8000 Tote pro Jahr durch Folgen des Qualms in Hessen

Ärztekammer fordert totales Rauchverbot

Kassel. Die Landesärztekammer Hessen geht scharf mit dem Land Hessen ins Gericht. Sie kritisiert die im März beschlossene Lockerung des Rauchverbotes als unverantwortlich.

Die Ärztekammer fordert ein vollständiges Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen und allen Gaststätten. Nach Angaben der Kammer sterben in Deutschland pro Jahr 140 000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Hinzu kämen 3300 Todesopfer durch Passivrauchen.

In Hessen sind pro Jahr 8000 Todesopfer durch Rauchen zu beklagen, ergänzt die Sprecherin der Techniker Krankenkasse, Jana Flommersfeld. Für den Vizepräsidenten der Landesärztekammer Hessen, Martin Leimbeck, sind dies erschreckende Zahlen. Die hohe Zahl der Opfer sei durch konsequente Vorbeugung vermeidbar gewesen.

In Ländern mit Rauchverbot sei die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren zurückgegangen - bei Jungen von 27,2 Prozent im Jahr 2001 auf 14,7 Prozent im Jahr 2008 und bei Mädchen von 27,9 Prozent auf 16,2 Prozent. Daher sei es einfach nicht zu verantworten, wenn diese Entwicklung durch eine Lockerung des Nichtraucherschutzgesetzes wie in Hessen wieder gestoppt werde.

Es habe eine erhebliche Signalwirkung, wenn in allen öffentlichen Gebäuden und Räumen mit Publikumsverkehr das Rauchen komplett verboten würde. Außerdem sollten Eltern beim Nichtrauchen Vorbild für Kinder sein. Diese seien am anfälligsten für die fatalen Auswirkungen des Rauchens und müssten am meisten geschützt werden.

Leimbeck wies auch auf die schwierige Entwöhnung von Nikotin hin. Diese sei von den gesetzlichen Krankenversicherungssystemen kaum mehr zu finanzieren.

Mehrfach aufgeweicht

Der Landtag hatte das zum 1. Oktober 2007 in Kraft getretene Nichtraucherschutzgesetz im März 2010 mit den Stimmen von CDU und FDP gelockert. SPD, Grüne und Linke hatten dagegen votiert. Ursprünglich war Rauchen in Gaststätten nur in abgetrennten Nebenräumen erlaubt gewesen.

Seit Sommer 2008 dürfen Besitzer von Einraumkneipen selbst entscheiden, ob bei ihnen gequalmt werden darf oder nicht. Seit März 2010 darf nun auch in Diskotheken, Spielkasinos und geschlossenen Gesellschaften zur Zigarette gegriffen werden. Die Regierungsparteien begründeten das mit einem fairen Ausgleich zwischen Interessen von Rauchern und Nichtrauchern. Von Peter Klebe

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare