Agrar-Subventionen in der Region: Zuchtvieh-Exporteure, 900-ha-Betrieb und Beberbeck kassieren mit am meisten

Agrar-Subventionen in der Region: 416.000 Euro für den größten Hof

Kassel. 268 „Agrarfonds-Millionäre“ gibt es deutschlandweit - nur einer davon sitzt in der Region. Alle Hessen, die Agrargeld aus Brüssel bekommen, stehen seit Kurzem mit den Summen für 2009 im Internet.

Unter Nordhessens gut 8000 Empfängern von EU-Subventionen hat die ZVE Zuchtvieh Export in Lohfelden bei Kassel auch im Wirtschaftsjahr 2009 den größten Brocken kassiert: 1,31 Mio. Euro Exporthilfe verbuchte die GmbH, die für Zucht- und Bauernverbände Milchkühe in alle Welt verschickt (2008: 1,96 Mio. Euro).

Hintergrund: 340 Euro pro Hektar und Jahr

Die Agrar-Subventionen der EU unterteilen sich grob in
• EGFL-Direktzahlungen, den deutlich größeren Brocken, die als Betriebsprämie nach der Fläche berechnet werden - derzeit im Schnitt 340 Euro pro Hektar und Jahr. Zudem Lager- und Verarbeitungshilfen sowie Exporterstattungen.
• ELER-Mittel zur Verbesserung von Umwelt und Landschaft, z. B. Ausgleichszulagen in benachteiligten Gebieten, Mittel für Ökolandbau, extensive Grünlandwirtschaft, aber auch Stallbau. • Gut 8000 Empfänger von Euro aus Brüsseler Agrartöpfen gibt es in Nordhessen. Auf Kommunen verteilt liegen Korbach (212), Wolfhagen (197) und Diemelsee (177) zahlenmäßig vorn. (wrk)

Alle Hessen, die Agrargeld aus Brüssel bekommen, stehen seit Kurzem mit den Summen für 2009 im Internet. Alle Hessen? Nicht ganz - zwei Betriebe wehren sich weiter juristisch. Für Datenschutz, gegen Offenlegung der Hilfen, gegen Transparenz, die Brüssel schon vor Jahren verordnet hat. Noch liegt die Sache beim Europäischen Gerichtshof. Ziel der Subventionsdatenbank, die in Deutschland 2009 scharf geschaltet wurde: Wenn schon über teure EU-Hilfen geschimpft wird, sollen Steuerzahler wenigstens wissen, wer wie profitiert. Knapp hinter den Zuchtvieh-Exporteuren aus Lohfelden landete mit 965 000 Euro die Hessische Hausstiftung: Sie verwaltet den in der Weimarer Republik aufgelösten Privatbesitz der Landgrafen von Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt sowie der Kurfürsten und Großherzöge von Hessen - unter anderem ein Trakehnergestüt in Schleswig-Holstein. „Die Verteilung innerhalb der Landwirtschaft orientiert sich weiter vor allem über Größe. Wer viel Fläche bewirtschaftet, erhält auch am meisten Geld, egal wie nachhaltig oder ökologisch er wirtschaftet“, sagt der Kasseler Agrarexperte Martin Hofstetter.

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Zu den Großempfängern in der Region zählt die Werra-Meißner-Agrar GbR in Wanfried (Werra-Meißner-Kreis). Der 900-Hektar-Betrieb der Familien von Dönhoff, von Scharfenberg und Moennig erhielt gut 416.000 Euro aus Brüssel - Platz zwei in Nordhessen. Im Spitzenfeld mit 318.000 Euro EU-Geld auch die Hessische Staatsdomäne Beberbeck in Hofgeismar: Bekanntlich soll’s mit Ackerbau und Viehzucht in Beberbeck r bald vorbei sein - falls sich wirklich Großinvestoren für ein Ferienresort finden. Mit 403 000 Euro aus EU-Töpfen ist die Hessische Landgesellschaft (HLG) dabei: Als staatliche Treuhandstelle betreut die HLG Landwirte bei Investitionen und Betriebsentwicklung - finanziert aus Brüssel.

In die Liga zwischen 200.000 und 300.000 EU-Euro schaffen es sieben Höfe aus der Region. Mit 150.000 bis 200.000 Euro aus Brüssel schlossen 16 Landwirte und Agrarfirmen, das Fritzlarer Sauerkonserven-Werk Hengstenberg und das Diakoniezentrum Hephata ab.

Am anderen Ende der Liste ein Subventionsempfänger aus Calden: Der ist mit exakt 16 Cent registriert. „Zucker- und Milchindustrie“, so Agrarexperte Hofstetter, seien EU-weit „die größten Profiteure“. Aber auch Rheinmetall, der Panzerkonzern mit Werk in Kassel, erhielt 84.000 Agrar-Euro. Natürlich nicht für Waffen, sondern für die Aufforstung eines Firmenschießplatzes.

Von Wolfgang Riek

Hintergrund: Nordmilch AG - Spitze mit 51 Millionen

• Deutschland ist das Land der EU-Agrarmillionäre. 2009 erhielten 268 Firmen, Einzelpersonen oder Gemeinden mehr als eine Million Euro aus dem EU-Agrarfonds - Platz 1 unter den Ländern (Spanien: 197, Italien: 179, Frankreich: 174).

• Die mehr als 7,48 Mrd. Agrar-Euro für Deutschland verteilen sich sehr unterschiedlich: Nach Bundesländern sortiert liegt Bayern vorn (1,57 Mrd. Euro), gefolgt von Niedersachsen (1,22 Milliarden) und NRW (700 Millionen).

• Top-Empfänger in Deutschland: die Nordmilch AG mit 51 Mio. Euro für Milchexporte. Vorn dabei nach Angaben des Agrarnetzwerks Farmsubsidy auch Albert von Thurn und Taxis, der größte private Grundbesitzer Deutschlands (36 000 Hektar). Er bezog aus EU-Kassen über eine Million Euro.

• Farmsubsidy hat schwedische Empfänger genauer unter die Lupe genommen und dabei auch einen 14-Jährigen sowie zwei 100-Jährige gefunden - Letztere allerdings tot.

www.agrar-fischerei-zahlungen.de/suche

Quelle: HNA

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