Fusionspläne mit New York lösen Befürchtungen bei Beschäftigten in Frankfurt aus

Angst um Börsen-Jobs

Frankfurt / Eschborn. Bulle und Bär, die Sinnbilder der Börse, werden wohl noch lange vor dem ehrwürdigen Gebäude der Frankfurter Wertpapierbörse stehen. Eine andere Frage ist, wie es mit den rund 1600 Arbeitsplätzen aussieht, die längst in gläserne Hochhäuser ins nahe Eschborn umgezogen sind. Denn die Deutsche Börse AG will mit der New Yorker NYSE Euronext fusionieren; ein Vorhaben, von dem die beiden Chefs Reto Francioni in Frankfurt und Duncan Niederauer in New York sich Synergieeffekte in Höhe von 300 Millionen Euro versprechen.

Irmtraud Busch, Betriebsrätin der Börse, die an ihren verschiedenen Standorten insgesamt 3300 Menschen beschäftigt, fürchtet einen weiteren Arbeitsplatzabbau in Eschborn. Schon unabhängig von der Fusion sei geplant, 160 Stellen nach Prag zu verlagern, „da ist das Personal billiger, aber die Erfahrung unserer älteren Mitarbeiter geht verloren“, befürchtet Busch.

Erst am Mittwoch hatten rund 300 Beschäftigte, die Tarifsicherheit und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen fordern, in Eschborn demonstriert. Die Fusion dürfte nicht nur eine Beschäftigungsgarantie für die Vorstände bedeuten, so Busch, sondern auch für die Mitarbeiter.

Holding in Holland

Zwar bringt die Deutsche Börse mit 60 Prozent einen höheren Marktwert in die Mega-Ehe ein, doch der Betriebsrat befürchtet, dass die Musik bald jenseits des Atlantiks in Amerika spielt. Zudem sei eine niederländische Holding geplant, „das hebelt die nach deutschem Recht geltenden Mitbestimmungsmechanismen aus“, sagt Ver.di-Sekretär Herbert Bayer.

Der Betriebsrat setzt nun auch auf die Politik, obgleich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sofort von „großen Chancen“ schwärmte. Zurückhaltender gibt sich Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), der die Aufsicht über die Börse hat. Denn das Unternehmen bekommt seine Betreiberlizenz von der Landesregierung nur geliehen. Er will die Pläne intensiv prüfen, denn Ziel müsse „eine angemessene Fortentwicklung am Finanzplatz Frankfurt“ sein.

Genau das bezweifelt aber Buschs Kollege Johannes Witt, denn schon heute sei das Gros der Anteilseigner anglo-amerikanische Aktionäre.

SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel sorgt sich ebenfalls um den Standort Frankfurt. Er warnte gestern davor zu glauben, allein die Größe des „global players“ sei Garant für Erfolg. Die Finanzkrise habe gerade erst das Gegenteil bewiesen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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