Fuldaer Mönch: Einer der besten deutschen Schneider

Nimmt Maß: Herrenschneidermeister und Franziskaner-Mönch Gerhard Busche. Foto: dpa

Fulda. Gerhard Busche hat einen der begehrtesten Preise für Maßschneider in Deutschland gewonnen - und arbeitet in einem Kloster. Doch er näht nicht nur die braunen Ordenskleider der Franziskaner-Mönche. Der Herrenschneidermeister kreiert im Kloster Frauenberg in Fulda exklusive Maßanzüge aus edlen Stoffen.

Wer bei dem 48-jährigen Geistlichen bestellt, muss gut betucht sein. Die günstigsten Zweiteiler kosten etwa 2000 Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, je nach Stoff und Qualität. Aus 2000 Stoffen können Kunden wählen; sein Teuerster ist ein Kaschmir für 740 Euro pro Meter. Das kostspieligste Teil, das er bisher gefertigt hat, war ein Kaschmir-Mantel für 3500 Euro.

Busche selbst zählt sich mit einem Stundensatz von rund 30 Euro sicher nicht zu den Großverdienern. 2010 gewann Bruder Gerhard die „Goldene Schere“, einen großen Branchenpreis beim Bundeskongress der Maßschneiderhandwerks in Bad Homburg.

Busche stammt aus Frankfurt und lebt seit 1986 im Kloster Frauenberg. Dort schneidert er seit Mitte der 90er-Jahre auch weltliche Garderobe, sie nimmt mittlerweile 70 Prozent seines Geschäfts ein. Von der Deutschen Ordenskonferenz wird er dabei unterstützt – man begrüße, dass sich Klöster mit ihren Dienstleistungen für Außenstehende öffnen, heißt es. Der Herrenschneidermeister steht bei seiner Kundschaft aus der Region und dem Rhein-Main-Gebiet hoch im Kurs: „Unter zehn Wochen Wartezeit geht nichts.“ Er schafft etwa 20 Herrenanzüge im Jahr.

Wenn Bruder Gerhard mal länger für einen Anzug braucht, nimmt er den zusätzlichen Aufwand auf seine Kappe. „Wenn ich einen Preis sage, dann steht der - aus Prinzip. Das hat mich schon immer bei anderen Handwerkern geärgert; am Ende wird es immer teurer. Ich kann diese Schummelei nicht leiden.“ Bei Preisverhandlungen muss er ohnehin wenig Überzeugungsarbeit leisten. „Mir glauben die Leute, dass das so teuer ist, weil ich im Kloster lebe.“ Andererseits beflügelt der Standort nicht gerade das Geschäft: „Es ist eine Hemmschwelle da, für einen Anzug ins Kloster zu gehen.“

Hilfskräfte und ein Lehrling

Für seine Garderobe hat er ein eigenes Label: Auf dem roten Etikett steht „Maßschneiderei Kloster Frauenberg“. Kostendeckend arbeite der Betrieb nicht, verrät er. Ein Anzug benötige zwar meist zwischen 60 und 70 Arbeitsstunden, berechnet würden aber nur 48 Stunden - das sei Standard bei ihm.

Der Geistliche hat noch drei Hilfskräfte und sogar einen Lehrling. Es war ihm ein Herzenswunsch, junge Menschen auszubilden. Busche, einziger Ausbilder für Herrenschneider zwischen Kassel und Frankfurt, sieht das Arbeiten nicht als Notwendigkeit sondern als Chance: „Man sollte die Talente nutzen, die einem Gott mitgegeben hat.“ (lhe)

Quelle: HNA

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