LKA Hesen warnt

Aufreizende Bilder per Handy: Immer mehr Fälle von Sexting

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Sexy Pose, üble Folgen: Mädchen, die intime Fotos von sich per Handy verschicken, müssen Mobbing und Belästigungen befürchten.

Wiesbaden. In Hessen werden immer mehr Fälle von sogenanntem Sexting bekannt. Der Landeselternbeirat schätzt, dass die Zahl der Betroffenen im dreistelligen Bereich liegt. Das Landeskriminalamt (LKA) berichtet von „Dutzenden von Fällen“ und einer sehr hohen Dunkelziffer.

Auch die Experten in Wiesbaden zeigen sich besorgt. Genaue Zahlen der Betroffenen, meist jüngeren Menschen, kann das Kultusministerium nicht nennen.

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Beim Sexting lichten sich Jugendliche in erotischer Pose ab. Die intimen Fotos oder pornografischen Videos werden dann über Handys von Schülern verschickt. „Es kann gravierende persönliche Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler haben, wenn solche Fotos in die mediale Öffentlichkeit gelangen und zum Beispiel Cybermobbing nach sich ziehen“, sagt Eva Dubisch, Sprecherin im Kultusministerium in Wiesbaden. In einigen Fällen würden Mädchen auch mit den Nacktbildern erpresst, ergänzte Gaby Goebel-Andreas vom LKA. Es seien sogar Fälle von neunjährigen Mädchen bekannt. Da gehe es dann schon um Kinderpornografie. „Wer Fotos weiterleitet, begeht Straftaten“, warnte die Präventionsexpertin.

An der Wernher-von-Braun-Schule im osthessischen Neuhof wurden in diesem Jahr bereits vier Fälle von Sexting bekannt, wie Rektor Klaus Bente sagte. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, es gibt bestimmt noch etliche unbekannte Fälle.“ Die vier Mädchen an der kooperativen Gesamtschule mit ihren mehr als 1000 Schülern seien zwischen 12 und 15 Jahre alt. Von ihnen gelangten erotische Fotos per Handy in Umlauf und kursierten bei den Schülern. „In zwei Fällen ging es auch um Videos, in denen Oralverkehr oder Selbstbefriedigung zu sehen waren“, sagte Bente. In einem Fall habe auch die Mutter einer Schülerin Intimfotos der eigenen Tochter geschickt bekommen.

„Sexting“ sei aber kein Schulproblem: „Das passiert in der Freizeit“, sagte Bente. Ab der 6. Klasse werde nun in Fächern wie etwa Biologie und Religion darüber gesprochen, auch Eltern würden zu Vorträgen eingeladen.

Die Eltern und Schulen müssten handeln, heißt es im Ministerium und beim LKA. Das Problem: „Einige ältere Lehrer kommen mit der Lebensrealität der Schüler heutzutage nicht mehr mit.“ Das LKA appelliert an Eltern zu überdenken, ob neunjährige Kinder bereits ein Smartphone besitzen müssen.

Es gebe Schülerinnen, die nach der öffentlichen Bloßstellung vor lauter Scham die Schule wechselten, sagte Schulrektor Bente. Die Mädchen wurden auch von Mitschülern belästigt, nachdem intime Fotos von ihnen in Umlauf geraten waren. (dpa)

Quelle: HNA

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