Wer zum engsten Kreis des Ministerpräsidenten zählt, wird nicht fallen gelassen

Aussitzen als Prinzip

Eidesschwur: Ministerpräsident Roland Koch (links) und Volker Hoff bei dessen Vereidigung als Europaminister im März 2006. Noch heute steht der Regierungschef zu seinem Freund Hoff. Foto: dpa

Wiesbaden. Volker Hoff, CDU-Landtagsabgeordneter und ab Montag zugleich Vorstandsmitglied bei Opel „für Regierungsangelegenheiten“, schaltet nach wie vor auf stur. Und seine Partei tut es ihm nach Art der Hessen-CDU gleich.

Kein Kommentar, lässt Regierungssprecher Dirk Metz verlauten, nachdem die Wogen der Empörung hochgeschlagen sind über Hoffs neuen Job. Am Dienstag hatte sich Metz noch gefreut. Guter Mann, guter Job, alles prima so die Reaktion in Kurzfassung. Wieder einmal einer untergebracht, dachten andere.

Denn Volker Hoff gehört zum engen politischen Kreis des Ministerpräsidenten, der sich bisher darauf verlassen konnte, von Roland Koch nicht fallen gelassen zu werden. Wer sich Anfang der Achtziger mit dem jungen Koch an der Autobahntankstelle Wetterau traf, um Seilschaften zu knüpfen, kann heute noch davon zehren.

Lesen Sie auch

Opel kauft Politiker ein

"Lobbyisten nicht ins Parlament"

Volker Hoff, Geschäftsführer einer florierenden Werbeagentur, die auch für die CDU Wahlkampf machte, wurde 2006 Minister für Europa- und Bundesangelegenheiten. Hoff musste damals die Geschäftsführung der Agentur aufgeben, so will es das Ministergesetz. Der umtriebige Mühlheimer, stets jovial bis hemdsärmelig unterwegs, fand sein neues Hauptbetätigungsfeld in Brüssel.

Dass seine frühere Agentur zwischenzeitlich in einen Strafprozess verwickelt war, der auch seine aktive Zeit betraf, focht ihn nicht an. Das Netz hielt, Koch und die CDU standen stets zu Volker Hoff. Wie so oft, saß die Union das Problem einfach aus. Erst 2009, als Koch gemeinsam mit der FDP ein neues Kabinett zuschneiden musste, konnte er ohne größeren Eklat auf den Freund verzichten.

Dass einer wie Hoff sich mit dem Landtagsmandat nicht zufriedengeben würde, war indes vielen klar. Dass er ausgerechnet Opel-Cheflobbyist werden würde, schlug aber ein wie eine Bombe - nicht nur bei denen, die die Ausübung des Mandats als Vollzeitaufgabe ansehen. Dass einer Abgeordneter sein kann, wenn sein Arbeitgeber ihn losschickt, Geld beim Land lockerzumachen, scheint immerhin weitgehend unvorstellbar.

Arbeiterführer Koch

Die Debatte weckt auch die Erinnerung daran, dass es Roland Koch war, der sich 2009 einem Arbeiterführer gleich monatelang als - vermeintlicher - Opel-Retter feiern ließ. Noch ist bei Opel längst nicht alles in trockenen Tüchern, die Diskussion über Staatsbürgschaften könnte schon bald wieder beginnen. Und damit auch über den Abgeordneten Hoff.

Die CDU ficht dies nicht an. Ein dringlicher Antrag der Sozialdemokraten zu dem Thema Hoff wurde mit den Stimmen der Mehrheit, also auch der FDP, aufs nächste Plenum vertagt.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare