Erfahrungsbericht mit Zulassungsstelle: Behörde bremst Triker aus

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Das Trike von Silvio Bächt: Die Hessen wollten es nicht zulassen. In Thüringen war es ein ganz normaler Vorgang.

Kassel/Gensungen. Silvio Bächt ist sauer. Sauer auf die so genannte Bündelungsbehörde, die unter anderem für Fahrzeugzulassungen verantwortlich ist. Ein Erfahrungsbericht über die Probleme der Zulassung bei Sonderfahrzeugen in Hessen. 

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Die Bündelungsbehörde erteilt unter anderem Einzelbetriebserlaubnisse für nicht alltägliche Fahrzeuge, etwa Einzelanfertigungen, Autos Marke Eigenbau, Pickups aus den USA, exotische Oldtimer oder einfach nur Vehikel, die im Detail nicht den hiesigen Verordnungen entsprechen. Und diese Behörde ist nach Schilderungen vieler Leser häufiger päpstlicher als der Papst, wenn es darum geht, eine hierzulande nicht zugelassene Felge oder ein kleineres Kennzeichen zu genehmigen.

Bächt, der seine Brötchen als Betriebsleiter der Wäscherei der Justizvollzugsanstalt in Kassel verdient, erfüllte sich im Sommer einen Traum: Er kaufte sich ein sehr exklusives Trike des Thüringer Herstellers SMT Trikes. Doch bei der Zulassung des edlen Dreirads scheiterte er zunächst an der Bündlungsbehörde in Fulda, die für Nord- und Osthessen zuständig ist. Die nämlich zweifelte ein Gutachten der Dekra an, mit der eine Zulassung in anderen Bundesländern problemlos über die Bühne gegangen wäre. Es folgten zahlreiche Telefonate und ein reger Schriftverkehr. Zum Erfolg führten sie nicht.

Bächt war ratlos. Ein Bekannter gab ihm einen entscheidenden Tip. Er solle das Trike vom Hersteller als Tageszulassung in Thüringen anmelden und dann auf Schwalm-Eder-Kreis umschreiben lassen. Gesagt, getan. Dem Fahrgenuss stand fortan nichts mehr im Weg.

Der 48-Jährige aus Gensungen (Schwalm-Eder-Kreis), der vor vielen Jahren bereits ein Trike selbst gebaut und es wegen Schwierigkeiten in Hessen im südniedersächsichen Hann. Münden begutachten ließ, spricht der Bündelungsbehörde jegliche Fachkenntnis ab. „Ich bin sicher, da sitzt nicht einer mit Kfz-Ausbildung, geschweige denn mit Gutachterbefähigung“, ärgert sich Bächt noch immer. Nun wartet er gespannt auf Post aus Fulda. Bächt ist aber sicher, dass ihm die Zulassung keiner mehr nehmen kann.

Das Konstrukt der Bündelungsbehörde ist bundesweit einzigartig. In Hessen gibt es drei davon: neben der in Fulda zwei weitere in Marburg und Frankfurt. In Schrauber- und Oldtimer-Kreise gelten vor allem Beamte aus Fulda als unangemesen streng. Minister Rentsch mochte sich als oberste Aufsicht der drei Bündlungsbehörden auf Nachfrage nicht persönlich zu diesem Thema äußern.

Sein Sprecher Wolfgang Harms verteidigte das Konstrukt. „Die Richtigkeit der Zentralisierung dieser Aufgaben zeigt sich unter anderem auch angesichts der Tatsache, dass zirka 15 Prozent der technischen Gutachten, die Voraussetzung für die Erteilung einer Betriebserlaubnis sind, unvollständig oder fehlerhaft sind.“ In einer Reihe von Fällen seien deshalb die Gutachten zurückgezogen worden.

Es habe sich außerdem herausgestellt, dass in einer Reihe von Fällen Gutachten erstellt worden seien, obwohl der Gutachter das Fahrzeug nicht gesehen habe. Oberstes Ziel sei es, für die bestmögliche Verkehrssicherheit zu gewährleisten. (jop)

Quelle: HNA

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