Berufsbildungswerk entlässt 17 Mitarbeiter

BBW-Leiter Klaus Winger.

Kassel/Bad Arolsen. Erstmals in seiner 30-jährigen Geschichte muss das Berufsbildungswerk (BBW) Nordhessen aus wirtschaftlichen Gründen Mitarbeiter entlassen. Befristete Arbeitsverträge werden nicht verlängert und auch beim Stammpersonal müssen Stellen eingespart werden.

Und das, obwohl das BBW noch vor zwei Jahren mit 500 Schülern so groß war wie nie zuvor in seiner Geschichte.

Stichwort: BBW Nordhessen

Das BBW Nordhessen mit Sitz in Bad Arolsen und Kassel bildet Jugendliche mit Lernbehinderungen, körperlichen und psychischen Behinderungen in 20 Ausbildungsberufen aus den Berufsfeldern Metalltechnik, Holztechnik, Ernährung und Hauswirtschaft, Wirtschaft und Verwaltung sowie Agrarwirtschaft aus. Dabei erhalten die Azubis bei Bedarf Unterstützung durch psychologische, medizinische, sozial- und sonderpädagogische Fachdienste sowie Stütz- und Förderunterricht. In Bad Arolsen haben Azubi die Möglichkeit, das BBW-eigene Internat zu nutzen. (jum)

„Wir werden bis zum Sommer des kommenden Jahres insgesamt 17 Vollbeschäftigtenstellen an den Standorten in Bad Arolsen und Kassel streichen müssen“, sagt BBW-Leiter Klaus Winger. Das seien im schlimmsten Fall bis zu zehn Prozent der Mitarbeiterschaft. Derzeit sind 183 Mitarbeiter beschäftigt. Versuche, den Personalbestand beispielsweise durch freiwillige Arbeitszeitkürzung und vorzeitigen Renteneintritt zu reduzieren, reichten nicht mehr aus.

Das BBW reagiert damit auf den massiven Rückgang der Anmeldungen im Bereich der Berufsvorbereitung und beruflichen Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderungen. Nach Angaben des BBW sind am Standort Bad Arolsen (Kreis Waldeck-Frankenberg) 245 der 280 Ausbildungsplätze belegt, in Kassel nur 165 von 180.

„Das ist eine schmerzliche Unterbelegung, denn etwa drei Auszubildende finanzieren eine Personalstelle“, rechnet BBW-Leiter Winger vor. Dem Umsatz von 14 Millionen Euro stehen derzeit acht Millionen Euro Personalkosten gegenüber. Ursachen für die Entwicklung seien der demografische Wandel und „eine neue Geschäftspolitik der Bundesagentur für Arbeit“.

Bei der Arbeitsagentur Kassel trügen zusätzlich personelle Engpässe bei Rehabilitations-Beratern zu den schlechten Anmeldezahlen bei, obwohl unversorgte Jugendliche in „erheblicher Zahl“ vorhanden seien. Der Sparzwang soll die Qualität der Ausbildung nicht drücken. Winger: „Wir schaffen es nach wie vor über 60 Prozent unserer Absolventen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

In einigen Berufen sogar über 90 Prozent.“ Das BBW Nordhessen will nun neben seinem Kerngeschäft in der beruflichen Rehabilitation stärker als Berufsbildungs- und Förderungszentrum in Nordhessen und Ostwestfalen etablieren. (jum/mow)

Quelle: HNA

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