Wohnstadt: Für bessere Erträge werden Wohnungen verkauft und Personal abgebaut

Wohnstadt: Bestand wird ausgedünnt

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Häuser der Wohnstadt im Kasseler Stadtteil Fasanenhof. In Kassel besitzt die Wohnstadt rund 5200 Wohnungen.

Frankfurt/Kassel. Über den demografischen Wandel in Nordhessen wird viel geschrieben. An der Geschäftspolitik der überwiegend landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte/Wohnstadt wird man die Konsequenzen bereits in den nächsten vier Jahren deutlich ablesen können.

Die Gesellschaft will sich langfristig „auf Standorte mit ausreichendem Ertragspotenzial“ konzentrieren, sagte Geschäftsführer Bernhard Spiller am Dienstag in Frankfurt. Das heißt: Insbesondere auf dem Land in Nordhessen wird sie sich vermehrt von Wohnungen trennen. Bereits 2007 verkaufte die für den nördlichen Landesteil zuständige Wohnstadt 168 Wohnungen, 2008 waren es 106.

„Global Player weg“

Priorität habe der Verkauf an Genossenschaften am Ort oder an Mieter und andere örtliche Interessenten. „Die Global Player sind aufgrund der Finanzkrise ohnehin abhandengekommen“, so Spiller zur Beruhigung der Mieter.

Der Aufsichtsratschef, Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), hatte zuvor auf die demografische Entwicklung verwiesen, der man sich nicht entziehen könne. In den Ballungsräumen gebe es auch künftig einen weitaus höheren Bedarf an bezahlbarem Wohnraum als in Nord- und Osthessen.

Der vom Aufsichtsrat einstimmig gebilligte Plan sieht vor, im Norden des Geschäftsgebietes (inklusive Marburg und Fulda) 4700 und im Süden 2300 Wohnungen zu verkaufen. Spiller: „Wir werden dabei aber nichts überstürzen, der Markt ist zurzeit schwach. Auch bei den zehn Geschäftsstellen wird gespart, übrig bleiben voraussichtlich Kassel, Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden. Insgesamt soll der Jahresüberschuss von durchschnittlich 20 Millionen Euro im Jahr bis 2014 auf 35 Millionen erhöht werden.

Reduziert werden soll auch das Personal: 150 von rund 800 Stellen sollen bis 2014 sozialverträglich abgebaut werden - vornehmlich da, wo es weniger zu tun geben wird, also in Nordhessen. Posch betonte, man werde durch Hausmeister, Servicebüros und Servicepoints weiterhin Kundennähe gewährleisten.

Braut hübsch gemacht?

Auf die Frage, ob das Ziel all dessen ein Verkauf des Unternehmens sein solle, reagierte Posch gereizt: „Das steht heute nicht auf der Agenda“, so der Liberale, dessen Partei sich für den Verkauf von Landeseigentum starkmacht. Als Aufsichtsratschef gehe es ihm allein um die Zukunft des Unternehmens, eine Verkaufsdiskussion halte er „im Moment nicht für angebracht.“

Hintergrund: Nassauische übernahm Wohnstadt 2005

Die vor 85 Jahren gegründete Nassauische Heimstätte mit Sitz in Frankfurt, die die Landesanteile der in Nordhessen tätigen Wohnstadt 2005 übernahm, verfügt über rund 63 000 Wohnungen in 160 Kommunen. Rund 21 000 Wohnungen entfallen auf den nördlichen Bereich (inklusive Marburg und Fulda).

Die Gesellschaft ist zu 55 Prozent in Landesbesitz. 31 Prozent gehören der Stadt Frankfurt mit rund 16000 Heimstätten-Wohnungen. Die Unternehmensgruppe ist unter der Marke NH ProjektStadt auch in der Stadt- und Projektentwicklung tätig. Zurzeit betreut die NH ProjektStadt Aufgaben in über 140 Kommunen in Hessen und Thüringen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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