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Flughafen Frankfurt: Fraport- und Lufthansa-Chefs nennen Gründe für Chaostage

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Von: Alexander Gottschalk, Ares Abasi

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Ausnahmesituation am Frankfurter Flughafen: Die Chefs von Fraport und Lufthansa wagen den Erklärungsversuch.

Frankfurt – Flugausfälle, Verspätungen, Gepäck, das nicht ankommt: So groß wie im Sommer 2022 war das Durcheinander am Flughafen Frankfurt selten. Dabei hat die Haupturlaubszeit noch nicht einmal begonnen. Die Gründe für die Chaostage an Deutschlands größtem Airport sind aber nicht allein in Frankfurt zu finden, wie die Chefs von Fraport und Lufthansa nun versucht waren, im Gespräch mit der FAZ zu erläutern. Vielmehr handele es sich um ein „industrieweites Problem“.

Dass der Flughafen Frankfurt in Europa den höchsten Umsteigeranteil und die meisten angebundenen Ziele habe, werde ihm aktuell zum Nachteil, sagte Fraport-Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte der Frankfurter Zeitung. „Alle Unpünktlichkeiten an Flughäfen in Europa wirken sich auf Frankfurt aus“, betonte der Manager des Flughafenbetreibers. An einem „so stark vernetzten Drehkreuz“ potenziere sich „jede kleine Störung viel stärker als an einem kleineren Flughafen“.

Passagiere am Flughafen Frankfurt
Passagiere gehen am Frankfurter Flughafen durch den Check-In-Bereich. © Boris Roessler/dpa

Flughafen Frankfurt: Arbeitsmarkt im Rhein-Main-Gebiet wird Problem

Tatsächlich haben auch andere Flughäfen in Deutschland und im europäischen Ausland massive Probleme. Hintergrund ist der anhaltende Personalmangel, der auch den Flughafen Frankfurt voll trifft. In der Pandemie wurden in der Luftfahrtbranche etliche Stellen abgebaut, jetzt kommen die Unternehmen mit den Neueinstellungen nicht hinterher. „Man kann im Nachhinein sagen, dass wir noch früher hätten anfangen müssen“, räumte dazu Schulte ein.

Der Fraport-Chef beklagte im FAZ-Interview auch, dass der deutsche Arbeitsmarkt „sehr schwierig“ sei: „Wir zahlen schon Antrittsprämien, aber wir haben im Rhein-Main-Gebiet nahezu Vollbeschäftigung.“ Rekrutiert werde deshalb auch außerhalb der Bundesrepublik. Die Regierung Scholz will angesichts der aktuellen Schwierigkeiten nun den Weg freimachen, damit möglichst schnell rund 2000 Arbeiter aus der Türkei die hiesige Luftfahrtbranche verstärken können.

Probleme am Flughafen Frankfurt: „Sich darauf vorzubereiten, ist schier unmöglich“

Wie Lufthansa-Geschäftsführungsmitglied Jens Ritter betonte, sind es aber nicht allein die „Engpässe beim Personal“, die den Verantwortlichen am Flughafen Frankfurt derzeit die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Zu den „vielen Herausforderungen“ für die Fluggesellschaft zählten beispielsweise „Corona-Infektionen, Verzögerungen im Betrieb und technische Störungen, zum Beispiel bei der Sicherheitskon­trolle, bei Gepäckanlagen oder der Flugsicherung“.

Die Gegenmaßnahmen

Untätig sind Fraport und Lufthansa nicht: Entlasten will die Lufthansa die Luftfahrbranche beispielsweise durch eine sukzessive Ausdünnung des Flugplans.

Die Fraport hat außerdem angekündigt, hunderte Aushilfskräfte einzustellen, die Ende des Sommers starten könnten. Auch finanziell gibt es für das stark belastete Bodenpersonal am Flughafen Frankfurt ein Entgegenkommen.

Und zu guter Letzt wären da noch die offiziellen Tipps und Hinweise für Reisende, mit deren Befolgung Passagiere ihren Urlaubsantritt zumindest etwas stressfreier gestalteten können.

Im FAZ-Interview sagte Ritter weiter, die Herausforderungen hätten eine „Dimension, wie es die Branche noch nicht erlebt“ habe. Neben den operativen Problemen an den Flughäfen selbst seien etwa Ausfälle in den Lieferketten für Ersatzteile oder kurzfristige Luftraumschließungen aufgrund des Krieges in der Ukraine zu nennen. „Sich darauf vorzubereiten, ist schier unmöglich“, so der Lufthansa-Chef. (Ares Abasi und Alexander Gottschalk)

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