„Wie Gefängnis-Insassen behandelt“

Corona bedrückt die Senioren in Pflegeheimen - Bewohner Kurt Lehmann: „Seit über einem Jahr eingesperrt“

Kurt Lehmann wohnt seit 2015 im Mediana St. Ulrich in Hünfeld.
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Kurt Lehmann wohnt seit 2015 im Mediana St. Ulrich in Hünfeld.

Besuchsverbot, Quarantäne und Mitbewohner, die an Corona gestorben sind: Es waren harte Wochen für Menschen in Pflegeheimen. Auch jetzt gibt es noch Einschränkungen, wie Kurt Lehmann, der im Mediana St. Ulrich in Hünfeld lebt, schildert.

Hünfeld - An seiner Tür hängt ein Aufkleber mit dem Satz „Ich bin geimpft“. Auch einen ähnlichen Button für seine Jacke hat sich Kurt Lehmann gekauft. Er ist froh, inzwischen auch die zweite Impfung bekommen zu haben. „Davor hatte ich Bammel vor Corona*“, erklärt der 84-Jährige, der, wie er sagt, sowieso schon „alle möglichen gesundheitlichen Probleme“ hat. Doch mit der Impfung geht für den geselligen Mann auch eine Hoffnung einher: dass wieder etwas mehr Normalität einkehrt im Pflegeheim – und dass Corona-Geimpfte mehr Privilegien* erhalten.

„Doch bisher hat sich da kaum etwas geändert. Seit über einem Jahr sind wir eingesperrt“, ärgert sich Lehmann, der vor seiner Pensionierung Forstamtsleiter in Kalbach war. Weggesperrt und vergessen, so fühle er sich mit Blick auf die Entscheidungen von Bund und Ländern. „Dank der beispiellosen Menschenverachtung und Gleichgültigkeit der Regierung werden wir wie Gefängnis-Insassen und nicht wie normale Menschen behandelt. Unsere einzige Schuld ist: Wir wohnen in Alten- und Pflegeheimen“, erklärt der 84-Jährige. Die Auswirkungen seien immens: „Schwere Depressionen, Schmerzen, Lagerkoller und der Verlust jeglichen Lebensmutes sind die Folge. Man merkt, dass einige Bewohner total vereinsamen und auch weniger sprechen“, betont er. *fuldaerzeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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