Neuer Ärger wegen Salzwasserleitung

Düngemittelkonzern K+S lässt Fische zählen

Idyllisch, aber belastet: Die Werra bei Bad Sooden-Allendorf, wo ab Montag Jungfische gefangen werden sollen, um deren Entwicklung in dem Salz führenden Fluss beurteilen zu können. Foto: nh

Kassel. Spezialisten aus Südniedersachsen fischen ab kommenden Montag in Nordhessen nach Daten. Und zwar in der Werra. Bei Bad Sooden-Allendorf (Werra-Meißner-Kreis) geht das Fachbüro EcoRing für Gewässerökologie, auf Jungfischfang.

Ziel der Untersuchung ist es, die vorhandenen Erkenntnisse zur Entwicklung des Lebensraums Werra durch neue Daten zu aktualisieren. Dazu wird der Fluss in Abschnitten mit einem speziellen Netz befischt und die gefangenen Fische nach Art, Anzahl und Zustand bestimmt. Danach werden die Fische wieder eingesetzt.

Die Spezialisten aus Uslar und Hardegsen im Kreis Northeim legen ihre Netze im Auftrag des Kasseler Düngemittelherstellers K+S aus. Das Unternehmen steht bekanntlich wegen seiner Salzeinleitung in die Werra in der Kritik.

Und in dieser Angelegenheit gibt es neuen Ärger zwischen den Landesverbänden Hessen und Thüringen des Umweltverbandes BUND einerseits sowie K+S andererseits. Anlass: Der BUND behauptet in einer Mitteilung, K+S habe einen neuerlichen Antrag zur „dauerhaften Einleitung“ salzhaltiger Abwässer in die Werra gestellt. Damit Verstoße es gegen Empfehlungen des runden Tisches „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“.

Einen „neuerlichen“ Antrag aber gibt es laut Regierungspräsidium Kassel überhaupt nicht. Die Kritik des BUND richte sich mutmaßlich gegen einen alten Antrag des Unternehmens zum Bau einer Laugenleitung von Neuhof bei Fulda bis zur Werra bei Philippsthal in der Nähe von Bad Hersfeld. Dieser Plan sei jetzt offengelegt worden, um beispielsweise den Bürgern Einspruchsmöglichkeiten zu geben. Der Antrag liege bis zum 6. Oktober öffentlich aus.

K+S-Sprecher Ulrich Göbel wies die Vorwürfe des Umweltverbandes zurück und sprach von einer jetzt beantragten „Salzwasserleitung von Neuhof nach Hattorf“ im Kreis Osterode (Niedersachsen). Diese Leitung sei „immer ein integraler Bestandteil der im Jahr 2009 vorgelegten Gesamtstrategie zur Verminderung von Umweltbelastungen“ gewesen. Göbel wies darauf hin, dass K+S bereits im Oktober 2008 ein Maßnahmenpaket vorgestellt habe, das bei Investitionen von bis zu 360 Millionen Euro eine Halbierung der anfallenden Salzwassermengen ermögliche. Dadurch werde die Salzkonzentration in der Werra so gesenkt, dass in der Weser bereits nördlich von Bad Karlshafen (Kreis Kassel) die „biologische Süßwasserschwelle unterschritten“ werde.

Ungeachtet dessen will der BUND zu einem bundesweiten Protest aufrufen, wenn K+S sich Konsenslösungen verweigere.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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