Rubbeln fürs Denkmal

Rubbellos von Lotto Hessen und der Denkmalschutzpreis feiern 25. Jubiläum

Wiesbaden. Die Rubbellose hatten die Hessen nicht als Erste, sie wurden bereits 1974 im amerikanischen Massachusetts erfunden. 1986 indes übernahm die hessische Lottogesellschaft die Idee und seitdem sprudelt das Geld für die Denkmalpflege:

Mit 65 Millionen Euro hat Lotto Hessen seit 1986 den Erhalt des historischen Erbes unterstützt, so Lotto-Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann. Zeitgleich hatte die damalige Landesregierung auch beschlossen, als zweites Land nach Baden-Württemberg einen Denkmalschutzpreis zu stiften.

 175 Preisträger gibt es inzwischen, die sich in vorbildlicher Weise für den Denkmalschutz engagiert haben. "Manche haben mir erzählt, hätten sie gewusst, was auf sie zukommt, hätten sie nicht angefangen", berichtete Wissenschafts- und Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) gestern beim Festakt im Biebricher Schloss aus Gesprächen mit Bauherren.

Doch wer einmal angefangen habe, sei oft infiziert. Und damit, so die Ministerin, bestens geeignet, andere anzustecken. Mit 15.000 Euro Gesamtpreissumme, die ebenfalls aus den Lottomitteln stammen, sei der Preis durchaus unter den hochkarätigen in der kulturellen Landschaft. Prof. Gerd Weiß, Präsident des Landesdenkmalamtes, lobte die positive Grundstimmung, die Bürgerinitiativen und Bauherren mit ihren Denkmalschutz-Projekten in vielen Orten erzeugten.

Damit leisteten sie in Zeiten des demografischen Wandels einen wichtigen Beitrag für das soziale Gefüge eines Ortes. Weiß betonte, die hessische Denkmalpflege setze sich dafür ein, Städtebaufördermittel künftig verstärkt in die Fläche zu bringen, um Leerstand und Verfall zu verhindern und die Folgen des demografischen Wandels abzumildern.

Dass der Denkmalschutz ein Publikumsrenner ist, steht für ihn ohnehin fest: Mit über fünf Millionen Besuchern schaffe es der jährliche Tag des offenen Denkmals mehr Menschen anzuziehen als alle Bundesligaspiele eines Jahres zusammen, sagte Weiß. In diesem Jahr gingen drei der acht Preise nach Nordhessen: Mit 5000 Euro und dem ersten Preis ausgezeichnet wurde der Kulturkreis Sachsenberg (Kreis Waldeck-Frankenberg) für die Sanierung eines als Kulturzentrum genutzten Fachwerkhauses, 3500 Euro bekam die Familie Gerhold in Wolfhagen, die eine Hofanlage saniert hat, die Eschweger Stadtwerke erhielten eine Anerkennung für die Sanierung und Umnutzung eines ehemaligen Elektrizitätswerkes.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Hintergrund: Vorbildliche Sanierungen 2010

Acht Preisträger wurden mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis 2010 ausgezeichnet. Mit Geldbeträgen dotierte Preise gingen an

Kulturkreis Sachsenberg (Waldeck-Frankenberg) für die Sanierung und Umnutzung eines Fachwerkhauses (5000 Euro) 

Familie Matthias Gerhold (Wolfhagen) für die Sanierung einer Hofanlage und die Umnutzung einer steinernen Scheune als Wohnhaus (3500 Euro) 

Sibylle Gröters und Gundi Müller für die Sanierung einer Hofanlage in Hünfelden-Nauheim (Limburg-Weilburg/3500 Euro)

Familie Seibert für die Sanierung eines zur Bauzeit gewürdigten 50er-Jahre Bungalows in Wetzlar (3000 Euro)

Anerkennungen erhielten

die Stadt Geisenheim im Rheingau (Sanierung eines Weinbauernhauses)

Familie Stojetz (Sanierung eines Stadthauses in Hirschhorn (Neckar)

Astrid Kempf-Rother und Monika Rendel (Fassadensanierung im Frankfurter Bahnhofsviertel)

Stadtwerke Eschwege (Sanierung und Umnutzung ehemaliges E-Werk)

Zum 25. Jubiläum des Preises erschien ein Buch mit allen preisgekrönten Objekten seit 1986 und Beiträgen einiger Preisträger.

Infos: www.denkmalpflege-hessen.de

Kommentar von HNA-Redakteurin Petra Wettlaufer-Pohl zum Denkmalschutz: Geschichte bewahren

Geschichte bewahren So hätte ich das Haus auch gekauft - nicht selten hören Menschen, die ein historisches Gebäude behutsam saniert haben, diesen Satz. Als ihr Schmuckstück noch eine Bruchbude war, hatten sie sich meist ganz andere Urteile anhören müssen.

Das Beispiel zeigt immerhin eines: Wenn ein Haus originalgetreu saniert ist - und das gilt für jahrhundertealte Häuser ebenso wie solche aus den Fünfzigerjahren - dann sind alle Betrachter davon begeistert.

Dabei geht es in der Denkmalpflege keineswegs nur um augenfällige Schönheit; es geht vor allem darum, ein Stück Kulturgeschichte zu bewahren, der Nachwelt zu dokumentieren, wie man früher gebaut hat.

Viele Preisträger aus den vergangenen 25 Jahren haben dabei gezeigt, dass die Bewahrung alter Baukunst eine sinnvolle Nutzung der alten Gemäuer keineswegs ausschließt.

Im Gegenteil: Erst die Nutzung schafft die Vorraussetzung für den Erhalt. Bei aller Freude über die erneut gelungenen Projekte, die gestern ausgezeichnet wurden - nicht immer hat die Denkmalpflege Erfolg.

Oft genug erliegt die Politik den Lockrufen finanzkräftiger Investoren, denen ein altes Haus nur im Wege ist.

Oder die Denkmalpflege muss zuschauen, wie beispielsweise mitten in Frankfurt die Altstadt über 60 Jahre nach ihrer Zerstörung wieder simuliert werden soll. Denkmalpreiswürdig wird sie wohl nie werden.

Quelle: HNA

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