20 Fälle allein am Mittwoch und Donnerstag

Enkeltrick und falsche Polizisten: Senioren in Nordhessen derzeit vermehrt im Visier von Betrügern

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Enkeltrick und falsche Polizisten: Vermehrt sind derzeit in Nordhessen wieder Senioren das Ziel von Betrügern. Allein am Mittwoch und Donnerstag wurden laut Polizei 20 Fälle bekannt.

Laut Polizeibericht erhielten am Mittwoch und Donnerstag mehrere Senioren in Nordhessen wieder Anrufe von Betrügern, die sich entweder als Polizeibeamte ausgaben oder mit dem Enkeltrick versuchten, an Bargeld zu gelangen.

"Bislang sind über 20 solcher Fälle bekannt, bei denen die Angerufenen die Betrugsmasche jedoch glücklicherweise durchschauten", sagt Jürgen Wolf, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. Aufgrund der polizeilichen Erfahrungen sei davon auszugehen, dass die Täter noch weitere Personen in der Region angerufen haben oder anrufen werden, fügt Wolf hinzu.

Die Polizei bittet deshalb potentielle Opfer, aber insbesondere auch deren Angehörige, ganz besonders aufmerksam zu sein und bei verdächtigen Anrufen immer die echte Polizei zu verständigen. 

Falsche Polizeibeamte täuschen meist mit angeblicher Festnahme

Die Masche, derer sich die falschen Polizeibeamten bedienten ist laut Wolf meistens die übliche: Häufig wird von der Festnahme eines Einbrechers - meisten einer rumänischen Bande - berichtet. Die Anrufer stellen sich den Senioren, die von den Tätern in der Regel anhand älter klingender Vornamen aus öffentlichen Telefonverzeichnissen ausgewählt werden, am Telefon als Polizeibeamte vor. Der angebliche Beamte schilderte den Angerufenen, dass auf einem sichergestellten Zettel der Einbrecherbande auch deren Name stehen würde und es Grund zur Sorge um die Wertsache oder Bargeldbeträge der Rentner gebe. 

Wird die Masche nicht durchschaut, bauen die Betrüger laut Wolf im weiteren Verlauf in zahlreichen Anrufen über mehrere Tage unterschiedlichste Droh- und Schreckenszenarien auf. "Die Opfer zweifeln irgendwann an Allem, außer an der Echtheit des Anrufers, der tatsächlich aber ein Betrüger ist", sagt Wolf. Zu einer Geldübergabe sei es in den aktuellen Fällen aber glücklicherweise nicht gekommen.

Erst kürzlich zwei Fälle im Werra-Meißner-Kreis

Ende November waren im Werra-Meißner-Kreis zwei solcher Fälle angezeigt worden: Am 20. November versuchten es falsche Polizeibeamte mit ihrer Masche  bei einem 82-Jährigen aus Herleshausen, der die Betrüger allerdings abblitzen ließ. Nur einen Tag später versuchten es Betrüger mit derselben Masche gleich bei mehreren Senioren im Raum Witzenhausen.

Tipps der Polizei zu Umgang mit falschen Polizeibeamten

  • Die Polizei erfragt am Telefon keine Details zu Kontodaten oder Wertgegenständen im Haus. 
  • Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen oder familiären Verhältnissen preis. 
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf. 
  • Informieren Sie sofort die Polizei über die Rufnummer 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. Wichtig: Beenden Sie das vorige Telefonat unbedingt durch Auflegen und wählen erst dann die 110.
  • Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige. 
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Enkeltrick: "Rate mal, wer dran ist?"

Auch die Vorgehensweise der Betrüger beim sogenannten Enkeltrick ist immer ähnlich. Mit Worten wie "Rate mal wer dran ist?" wird dem Angerufenen der Name eines Verwandten, Freundes oder Bekannten entlockt. Diese Rolle nehmen die Betrüger dankend an und gaukeln eine finanzielle Notsituation vor. 

Mal ist es der Kauf eines Wohnmobils, mal einer Immobilie oder gar eine drohende Zwangsversteigerung. Können die Opfer finanziell aushelfen, kommt meist eine dritte unbekannte Person ins Spiel, um das Geld abzuholen. Soweit kam es bei den aktuellen Fällen laut Wolf zum Glück nicht. 

Erst Mitte November hat es hauptsächlich in der Gemeinde Meißner eine kleine Enkeltrick-Welle gegeben, bei der die Betrüger teilweise bis zu 25.000 Euro am Telefon verlangt hatten.

Tipps der Polizei zum Schutz vor dem Enkeltrick

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt. 
  • Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert. 
  • Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis. 
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
  • Informieren Sie sofort die Polizei über die Rufnummer 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. 
  • Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

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