Nord-Süd-Stromtrasse: 4200 Einwendungen gegen Millionenprojekt - Regierungspräsident will diese prüfen

Nord-Süd-Stromtrasse: 4200 Einwendungen gegen Millionenprojekt

Nord-Süd-Stromtrasse: 4200 Einwendungen gegen Millionenprojekt

Wiesbaden/Kassel. Rund 4200 Bürger der Region haben bis zum 31. August beim Regierungspräsidium Einwendungen gegen die geplante 380-kV-Stromleitung erhoben.

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Die Höchstspannungsleitung soll zwischen Wahle (Niedersachsen) und Mecklar (Kreis Hersfeld- Rotenburg) gebaut werden und ist Teil einer Trasse, auf der in Norddeutschland erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien gen Süden transportiert werden soll.

Die Menschen in den von zwei Trassenalternativen betroffenen Kreisen Kassel und Schwalm-Eder beziehungsweise Werra-Meißner bringt das Thema seit Monaten auf die Palme. Längst haben sich viele in Bürgerinitiativen organisiert.

Sie haben Angst vor gesundheitsschädlichem Elektrosmog und den sogenannten Koronageräuschen (Surren) und sie fürchten dramatische Eingriffe in das Landschaftsbild durch die Masten; insbesondere entlang der östlichen Trasse, die durch den Naturpark Meißner führen würde. Die Einwender fordern nahezu einhellig, so ein erster Überblick des RP, die Stromleitungen unter die Erde zu verbannen.

Das wäre nach einem Gutachten der Universität Hannover dreimal so teuer wie eine Freileitung. Der RP wird die Einwände nun im Raumordnungsverfahren prüfen, genauso wie zahlreiche Stellungnahmen von Behörden, Versorgern, Naturschutzverbänden und Kommunen.

Posch: Trügerische Hoffnung

Die Hoffnung vieler Nordhessen, die Erdverkabelung durchzusetzen, sei allerdings eine trügerische, warnt Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP). Denn bislang gebe es keinerlei Erfahrung mit Erdverkabelung von Höchstspannungsleitungen über lange Strecken. Das 2009 beschlossene Energieleitungsausbaugesetz erlaube zwar Pilotversuche im Abschnitt Wahle-Mecklar, die Voraussetzungen dafür seien jedoch eng begrenzt: In die Erde darf das Kabel nur „auf einem technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitt“, wenn der Abstand der Trasse zur normalen Wohnbebauung geringer als 400 Meter und zur Wohnbebauung im Außenbereich geringer als 200 Meter ist. Das würde natürlich nicht überall zutreffen. Eine Verkabelung sei zudem auch nicht problemfrei: Die Wärmeausstrahlung sei viel größer als bei normalen Kabeln und das Gelände darüber müsse auf einer bis zu 20 Meter breiten Schneise frei bleiben.

Streit um geltendes Recht

Posch appelliert an die Kommunalpolitiker, sie sollten bei den Bürgern nicht den Eindruck erwecken, als könne man über das Bundesgesetz diskutieren, „das ist geltendes Recht.“ Im Übrigen würden bei den „Stromautobahnen“ in einem späteren Planfeststellungsverfahren zur Genehmigung genauso strenge Maßstäbe angelegt wie bei anderen Großprojekten auch.

In Fachkreisen im Ministerium heißt es, die westliche Trasse von Niestetal über den Schwalm-Eder-Kreis nach Mecklar sei wahrscheinlich eher geeignet. Im Werra-Meißner-Kreis wären die Eingriffe in die Natur voraussichtlich zu groß. Ein Ergebnis soll Ende des Jahres vorliegen.

Von Petra Wettlaufer-pohl

Quelle: HNA

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