Erfahrungsbericht: Wie es ist, wenn man mitten in einem starken Erdbeben steckt

Im August 1999 bebte in der Nord-Türkei für 45 Sekunden die Erde und stürzte das Land in eine Katastrophe. Unser Reporter Frank Thonicke hielt sich im September 1999 in Izmit auf, um über die Lage in der Türkei zu berichten. Dabei wurde er von einem Nachbeben (Stärke 5,8) überrascht. Hier sein damaliger Bericht, wie es ist, ein starkes Erdbeben hautnah zu erleben:

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14.58 Uhr. Wir sitzen gerade beim Kaffee mit dem Verlagsleiter der Zeitung in Kocaeli. Wir machen Scherze. Eine Frau soll aus dem Kaffeesatz lesen. Plötzlich rüttelt der Fußboden unter unseren Füßen. Ich sitze in einem schweren Sessel, werde von rechts nach links, von links nach rechts geschleudert. Das ganze Haus wackelt. Wir springen auf, stürzen ins Treppenhaus. Wir rennen um unser Leben. Der Weg vom ersten Stock ins Freie scheint unendlich weit zu sein. Eine Frau vor uns stürzt zu Boden. Jemand zerrt sie hoch. Dann ist sie endlich da, die Tür, durch die wir uns ins Freie retten können.

Draußen herrscht Chaos. Die Chefredakteurin weint. Jemand setzt sie auf einen Stuhl. Der Bürgermeister von Izmit schreit. Er ist aus dem Rathaus-Fenster gegenüber gesprungen. Sein Bein ist verletzt. Überall liegen Menschen und schreien. Polizei- und Feuerwehrsirenen heulen. Jemand sagt: „Es hat wieder tausende Tote gegeben.“ Ich versuche, über das Handy meine Familie in Deutschland zu erreichen. Will sagen, dass ich gesund bin. Es geht nicht. Meine Hände zittern. Ich treffe die kleinen Tasten des Handys nicht. (tho)

Quelle: HNA

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