Ex-hr-Sportchef Emig muss 1,1 Millionen Euro Schadenersatz zahlen

Frankfurt. Der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr), Jürgen Emig, muss seinem Ex-Arbeitgeber mehr als 1,1 Millionen Euro Schadenersatz zahlen.

Das Arbeitsgericht Frankfurt gab mit diesem am Mittwoch verkündeten Urteil der Zahlungsklage des Senders statt, wie Gerichtspräsident Frank Woitaschek berichtete (AZ 3 Ca 3/10). Der Sender wollte von dem heute 65 Jahre alten Journalisten allerdings 1,78 Millionen Euro Schadenersatz haben. Der hr hatte die Zahlungsklage Anfang 2010 eingereicht und mit Einnahmeausfällen begründet.

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Ebenfalls am Mittwoch wies dieselbe Richterin die letzte Kündigungsschutzklage Emigs zurück. Die mit Bestechlichkeits- und Untreuevorwürfen begründete fristlose Kündigung des hr wurde damit bestätigt. Gegen beide Urteile ist Berufung beim Hessischen Landesarbeitsgericht in Frankfurt möglich. Der Sender teilte mit, sehr wahrscheinlich nicht in die Berufung zu gehen. „Wir sehen uns in unserer Position bestätigt“, sagte hr-Intendant Helmut Reitze nach der Urteilsverkündung laut Mitteilung.

„Damit ist ein weiteres Mal klar geworden, dass der hr Opfer war und nicht Täter. Emig hat durch sein Fehlverhalten dem hr und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt großen Schaden zugefügt. Wer gegenüber Veranstaltern und Sponsoren so tut, als gehe es ihm um den Programmauftrag, dabei aber Geld in die eigene Tasche steckt, der verkauft die Rundfunkfreiheit.“ Emig war im Oktober 2008 vom Landgericht Frankfurt wegen Untreue und Bestechlichkeit zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden, die der Moderator derzeit verbüßt. Nach den Feststellungen der Richter hatte er zwischen 2001 und 2004 mehr als 300 000 Euro an Schmiergeld und Schleichwerbung in die eigene Tasche gewirtschaftet. Allein dadurch entstand dem Sender ein Schaden von mindestens 285 000 Euro. Der Bundesgerichtshof hatte 2009 das Landgerichts-Urteil bestätigt.

Mehrere Kündigungen Emigs hatten aus formalen Gründen keinen Bestand. Erst die zum 11. August 2005 ausgesprochene Entlassung wurde nun vom Arbeitsgericht formal und inhaltlich als zulässig angesehen. (dpa)

HNA-Recherchen deckten Fall auf

Emig-Chronik: Ermittlungen, Razzia, Teilgeständnis, Verurteilung November 2001: Die Frankfurter Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen ein. Der Verdacht: Wer kein Geld bezahlt, wird bei Sportübertragungen des HR benachteiligt. Die Akte wird aber wieder geschlossen.

• Mai 2003: „Die Welt“ berichtet über merkwürdige Geschäfte des Ehepaars Emig/Killinger. Sie muss aber eine Gegendarstellung abdrucken.

• März 2004: Die HNA berichtet über ein Lotto-Gewinnspiel, an dem die Agentur von Emig-Ehefrau Atlanta Killinger verdient und das von Jürgen Emig ins Programm gehievt wird. Es erscheinen weitere Artikel, die sich unter der Überschrift zusammenfassen lassen: Erst zahlen, dann senden. Die Kasseler Staatsanwaltschaft liest die Artikel und leitet sie den Kollegen in Frankfurt zu. Dort wird ein neues Ermittlungsverfahren eröffnet. Auch der Fernsehausschuss des HR muss sich nun mit Emig beschäftigen.

• Ende März 2004: Drei Wochen nach dem ersten HNA-Bericht tritt Jürgen Emig als Sportchef des HR zurück.

• April 2004: Der HR beschließt eine neue Struktur seiner Sportsendungen.

• Juni 2005: Razzia in der Villa von Emig: Er wird festgenommen.

• Juli 2005: Jürgen Emig legt ein Teilgeständnis ab, in dem er auch Wilfried Mohren, Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks, belastet.

• August 2005: Der HR entlässt Emig fristlos.

• August 2008: Der Prozess gegen Emig und Frahm beginnt.

• Oktober 2008: Emig erhält eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Fünf Monate gelten wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt. (tho)

Quelle: HNA

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