Ex-Miss-Germany wird Botschafterin für Toleranz

Ex-Miss-Germany wird Botschafterin für Toleranz

Asli Bayram

Wiesbaden. Über das wohl einschneidenste Erlebnis von Asli Bayram wird gestern Mittag nicht gesprochen. Hessens Integrations- und Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) erwähnt es nicht, und die meisten Journalisten haben längst gelesen, dass Asli Bayram (29) über den Mord an ihrem Vater 1994 in Darmstadt nicht gerne redet.

Ein Rechtsradikaler hatte ihn erschossen, die heute bekannte Schauspielerin wurde damals ebenfalls verletzt. Dabei geht es bei dieser Pressekonferenz um Kriminalität, genauer gesagt um Prävention. Und um Toleranz, Menschlichkeit, Integration.

Hahn hat Asli Bayram als Botschafterin des Hessischen Präventionsrates gewonnen und damit als Kollegin von Eintracht-Profi Ioannis Amanatidis, seit 2007 Botschafter; wenn er, wie zuletzt, nicht verletzungsbedingt auch bei dieser Aufgabe ausfällt. Beide, der Grieche und die Deutsche, deren Eltern aus der Türkei stammen, wollen als Vorbilder auftreten vor allem für junge Menschen.

Wollen zeigen, dass Migrationshintergrund nicht gleichbedeutend sein muss mit Problemen. „Ich glaube, man schafft alles, wenn man es wirklich will“, ist das Motto der schönen jungen Frau, die an diesem Montag Mittag zurückhaltend wirkt und eher wenig gemein hat mit den glamourösen Fotos, die man von ihr kennt. Seit dem Mord an ihrem Vater ist viel passiert.

2005 wurde Asli Bayram die erste türkischstämmige Miss Germany; sie spielt in Filmen wie „Shortcut to Hollywood“, 2009 bei der Berlinale gezeigt; oder „Jump“ mit Patrick Swayze, Heinz Hoenig und Anja Kruse (2006).

Am Theater hat die Muslimin die Jüdin Anne Frank gespielt - „um ein Zeichen zu setzen, dass Hass auf Menschen falsch ist.“ Und sie hat ein Buch geschrieben über ihr Leben zwischen den Welten: „Grenzgängerin“. Das Jura-Studium hat sie inzwischen unterbrochen.

 Gefragt nach ihrer Ansicht zu einem Burka-Verbot sagt sie: „Ich bin keine Politikerin. Ein Verbot ist aber sicher der falsche Weg.“ Der Politiker Hahn springt ihr schnell zur Seite: „Es gibt wirklich andere Probleme auf dieser Welt!“

Wie oft Asli Bayram als Botschafterin des Präventionsrates in Schulen oder Vereinen auftreten kann, wird sich zeigen. Sie ist viel unterwegs, aber dennoch guten Mutes.

Quelle: HNA

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