Antrag auf Gassuche in Nordhessen - Gutachten heute im Landtag - Ausbeute nördlich Kassels am besten?

Fracking: Land deckt Karten auf

kassel. Ein Totalverbot der umstrittenen Gasfördertechnik Fracking halten Experten des Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) für übertrieben. Allerdings raten sie zu Vorsicht und Kontrolle, falls die kanadische Erdgasfirma BNK je grünes Licht für Bohrungen ins Schiefergas unter Nordhessen erhalten sollte.

Am Donnerstag stellt CDU-Umweltministerin Lucia Puttrich das Gutachten im Umweltausschuss des Landtags vor.

Das sind Kernaussagen des HLUG-Gutachtens, das Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) heute im Umweltausschuss des Landtages vorstellt. Eine Kurzversion des Papiers liegt unserer Zeitung vor. Klar ist: Das Gebiet nördlich von Kassel, das aus dem Bereich Zierenberg/Reinharsdwald bis in den Raum Höxter reicht, scheint aus Geologensicht für Gasbohrer am erfolgsträchtigsten. Große Gebiete mit Heilquellenschutzzonen südwestlich von Kassel bis weit hinter Bad Wildungen bleiben laut HLUG für Fracking hingegen tabu.

Ohne weitere Aufklärung über Umweltgefahren, die die Gasfördertechnik Fracking mit sich bringt, darf in Nordhessen nach Vorkommen nicht mal gesucht werden: Das hatte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) unter dem Eindruck starker parteiübergreifender Proteste aus der Region im Oktober versprochen. Heute will sie liefern: Ein erstes Gutachten gilt der Frage, ob der Widerstand von Kommunen, Kreisen und Regionalversammlung juristisch als Hebel taugt, den Suchantrag von BNK gleich zu kippen. Die HLUG-Expertise wertet hingegen andere Fracking-Gutachten durch die hessische Brille aus. Deutlich wird: Auch die Fachleute wissen wenig, wenn sie über den Untergrund in mehr als 100 Metern Tiefe sprechen. Was man aber wissen müsste, um weiter über Gasförderung in Nordhessen nachzudenken, sei „nur mit außerordentlich hohem Aufwand“ herauszufinden.

Außerdem gilt: Sollte in Nordhessen jemals Fracking genehmigt werden, also das Einpressen großer Mengen Wasser mit Chemie durch Bohrlöcher, um Gas aus festen Gesteinen in der Tiefe zu lösen, rät das HLUG zu maximaler Offenheit. Dass Gasbohrer alles, was sie ins Bohrloch pressen, bis ins Detail preisgeben, sei „unbedingt erforderlich“. Die wassergefährdende Chemie müsse bei Fracking reduziert werden. Probeläufe, so die Experten, könnten auch mit purem Wasser laufen. Und: Chemie aus dem Bohrhorizont müsse nach oben durch dichte Deckschichten zuverlässig vom Grund- und Trinkwasser ferngehalten werden, warnt das HLUG - nachzuweisen im Einzelfall. Die größten Fracking-Risiken sähen alle Gutachten aber sowieso übertage, wenn bei Transport, Lagerung oder Umfüllen grundwassergefährdender Stoffe etwas schiefgehe.

Von Wolfgang Riek

Frac-Abwasser: Warnung vor Versenkung

Fracking-Gasbohrer haben auch ein Abwasserproblem: Große, zusammen mit chemischen Hilfsstoffen ins Bohrloch gepresste Wassermengen, steigen in Teilen zurück. Das „Fracfluid“ bringt dabei nicht nur Chemie, sondern natürlich vorkommende radioaktive Stoffe mit nach oben. Die umweltgerechte Entsorgung, so das HLUG, müsse sichergestellt werden. Die Verpressung in tiefe poröse Gesteinsschichten sei als Alternative indiskutabel, warnen die Experten. Da habe Hessen mit der Versenkung von Kaliabwässern - die aus Wasserschutzgründen bekanntlich schnellstens beendet werden soll - „spezielle Erfahrungen“. (wrk)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © AP/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare