BNK-Anwalt: Wir wissen von nichts

Fracking: Nein für Gassucher in Nordhessen nun amtlich

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Wiesbaden. Seit Mittwoch ist es amtlich: Per Post hat das Regierungspräsidium Darmstadt der Deutschlandtochter der kanadischen Erdgasfirma BNK mitgeteilt, dass sie keine Erlaubnis für das Aufspüren von Erdgas in tiefen Bodenschichten Nordhessens erhält.

Zwischen Marburg und Bad Karlshafen irgendwann mit der umstrittenen Fördertechnik Fracking Gas nach oben zu holen, fällt so erst mal flach. Grundlage für die Ablehnung sind laut Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) zwei Gutachten, die Fracking in Nordhessen als „weder umweltverträglich noch wirtschaftlich darstellbar“ nennen. Im Vorfeld dieser Ablehnung hatte es Proteste und Anti-Fracking-Resolutionen von Umweltschützern, Kommunal- und Regionalpolitikern in Nordhessen gegeben.

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Obwohl Puttrich das Nein bereits vor Wochen angekündigt hatte, gab sich Fritz von Hammerstein, Hamburger Anwalt von BNK, am Donnerstag überrascht. Man wisse nichts von einer Ablehnung, sagte er am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung. Mehr noch: Vor wenigen Tagen habe das RP Darmstadt als zuständige Bergbehörde wissen lassen, man könne von einer Sucherlaubnis ausgehen, alle Voraussetzungen dafür seien erfüllt. Ob BNK nun klagt, ließ der Anwalt offen. Die Vier-Wochen-Frist dafür läuft.

Sucherlaubnisse in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen hatte BNK bereits vor Wochen mangels Erfolgsaussichten zurückgegeben.

Das Gutachten des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie (HLUG), auf das Ministerin Puttrich sich bezieht, kommt zu dem Ergebnis, dass von dem insgesamt mehr als 5000 Quadratkilometer großen Suchareal wegen der geologischen Situation nur ein kleiner Teil zur späteren Gasförderung genutzt werden könnte. Das Rechtsgutachten schließt mit dem Fazit, dass aufgrund der unzureichenden Aussicht auf eine wirtschaftliche Gasförderung im Zusammenspiel mit den kritischen Stellungnahmen der Fachbehörden schon die beantragte Aufsuchungserlaubnis versagt werden kann.

Der Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), das wissenschaftliche Beratungsgremium der Bundesregierung, hatte vergangene Woche in einer Studie die umstrittene Gasfördertechnik ebenfalls infragegestellt: Fracking sei energiepolitisch nicht notwendig, könne keinen maßgeblichen Beitrag zur Energiewende leisten könne. Auch mit Prognosen für billiges einheimisches Gas räumte der SRU auf: „Nach heutigem Kenntnisstand sind die heimischen Potenziale, die unter angemessenen Umweltauflagen wirtschaftlich rentabel gefördert werden können, viel zu niedrig, um einen nennenswerten Einfluss auf die Gaspreise in Deutschland haben zu können.“

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

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