Region könnte von Gesetz profitieren

Freie Fahrt für Fernbusse: Billiger Reisen als mit der Bahn  

Frankfurt/Kassel. Die zentrale geografische Lage Nordhessens samt Großstadt Kassel macht die Region für Betreiber von Fernbuslinien attraktiv. Grund: Mit einem Gesetzentwurf des Bundesverkehrsministeriums rückt die fast vollständige Liberalisierung des Fernbusverkehrs in greifbare Nähe.

Damit können Unternehmen deutschlandweite Linienfahrten anbieten. Der Nahverkehrsanbieter Veolia Verkehr gibt an, drei Fernbuslinien zwischen München, dem Ruhrgebiet und Hamburg beantragt zu haben. Das Frankfurter Busunternehmen Deutsche Touring will seine bestehende Nachtbuslinie Mannheim-Kassel-Hamburg auf mehrere Tagesfahrten ausweiten. Die Busfirma Autobahnexpress, die bereits zwischen Kassel und Leipzig/Dresden verkehrt, steht mit Plänen zu Nord-Süd-Verbindungen in den Startlöchern.

Die Deutsche Bahn kündigt nun an, ihr eigenes Netz von Fernbussen auszubauen. Schon jetzt ist sie der bundesweit größte Anbieter: Zur Flotte des Konzerns gehören 13 400 Busse. Das Unternehmen betreibt damit unter anderem eine bundesweite Fernbuslinie von und nach Berlin. Mit der Konzerntochter Bex sollen künftig auch Linien wie Bielefeld-Hannover-Hamburg sowie Dresden-Düsseldorf angeboten werden.

Insbesondere die Deutsche Touring in Frankfurt, die früher einmal zur Bahn gehörte und dann verkauft wurde, hatte dem Staatskonzern mit einem Rechtsstreit zugesetzt. Zwar verloren die Frankfurter aus formalen Gründen den Kampf um eine Fernbuslinie zwischen Frankfurt und Dortmund. Doch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig fällte ein Urteil mit Reichweite, als es entschied, dass Fernbuslinien auch parallel zu Bahnstrecken betrieben werden dürften, wenn der Preis für Busse deutlich unter dem der Bahn liege.

Die Deutsche Touring hat die Strecke noch nicht in den Wind geschrieben. Sie liegt beim zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt zur erneuten Prüfung.

Auch drei Jungunternehmer mit einer Filiale in Offenbach fechten zurzeit eine Kontroverse mit der Bahn aus und müssen am 17. März wieder vor Gericht. Unter dem Namen DeinBus.de bieten die drei Busfahrten im Internet an. Immer dann, wenn sich genügend Interessenten für eine Fahrt entscheiden, stellt DeinBus.de die Fahrzeuge bereit. Auch diese Art des Busfernverkehrs bekämpft die Bahn juristisch.

Die Firmenidee der drei Jungunternehmer, die noch studieren, und ihre Auseinandersetzung mit der Bahn hat nicht nur bundesweit für Medieninteresse gesorgt. Vorigen Mittwoch schaute sogar Hessens Verkehrsstaatssekretär Steffen Saebisch (FDP) bei DeinBus.de in Offenbach vorbei. Und er urteilte: „Wir brauchen mutige junge Gründer. DeinBus.de ist eine wirklich spannende Idee, die ich unterstütze.“ Zudem sprach sich Saebisch noch einmal für die geplante Liberalisierung des Busfernverkehrs aus.

Der Kampf gegen die Bahn hat DeinBus.de nicht nur Sympathien, sondern auch mehr Fahrgäste beschert. Finanziell zwar nicht auf Rosen gebettet, könnte die Firma nun sogar in Berufung gehen, falls sie am 17. März unterliegen sollte.

Von Susanne Weidner

Quelle: HNA

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