Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten stellt sich in Wiesbaden den Fraktionen von SPD und Grünen vor

Gauck: Ich bin keine Bedrohung für die Kanzlerin

Überzeugt vom Kandidaten Joachim Gauck: Der Grüne Tarek Al-Wazir (links) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD). Foto: dpa

Wiesbaden. Von SPD und Grünen wird der Mann mit dem ernsten Blick mit lang anhaltendem Beifall empfangen, Beobachter der Linken rühren keine Hand. Und CDU und FDP, sie sind erst gar nicht gekommen, um den rot-grünen Bundespräsidentenkandidaten Joachim Gauck im Landtag zu treffen.

„Sie kennen mich gut, sie müssen mich nicht treffen“, sagt Gauck später und meint es keineswegs augenzwinkernd. Im Grunde, das hört man immer wieder heraus, steht der frühere DDR-Bürgerrechtler und langjährige Leiter des Stasiakten-Archivs dem bürgerlichen Lager in vielem näher als Rot-Grün. Allerdings hat er, wie er den Journalisten erzählt, gelernt, dass „Hessen-Süd längst nicht mehr das ist, was Hessen-Süd vor 30 Jahren mal war“.

Gelächter auch bei SPD-Partei- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der wohl gut damit leben kann, dass der einst deutschlandweit als linke Speerspitze bekannte SPD- Bezirksverband heute weniger spitz ist.Mit Scherzen indes ist der 70-Jährige, der gern der erste Mann im Staat werden möchte, eher sparsam. Seine Kandidatur sei keine Bedrohung für die Kanzlerschaft der von ihm sehr geschätzten Angela Merkel, „nicht mal für die Koalition“. Sie sei für sie vielleicht problematisch, „aber gerade in problematischen Situationen zeigt sich die Kraft von Politik“.

Wie es ausgehe am kommen Mittwoch, wisse niemand. Eine gewisse Skepsis ist seinen Worten aber durchaus zu entnehmen: „Ich bin Realist, ich stehe mit beiden Beinen auf dem Boden.“

Sollte er scheitern, werde doch die Debatte - übrigens auch die rege Diskussion in den sozialen Netzen, von der ihm berichtet werde - ein Gewinn gewesen sein. „Ein Geschenk an die Politik“, das den Wunsch der Menschen nach mehr Authentizität in der Politik verdeutlicht habe.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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