Tourismus setzt auf Attraktivität grüner Gebiete - Aber Gäste bleiben weg - Wirten fehlen Lehrlinge

Ein halbes Land als Naturpark

Giessen. Fast eine Million Hektar und damit knapp 44 Prozent der hessischen Landesfläche sind als Naturpark ausgewiesen und stehen damit unter besonderer Pflege. Über 600 000 Euro hat das Land in diesem Jahr bereitgestellt, um die elf hessischen Naturparke finanziell zu fördern. Das teilte das Gießener Regierungspräsidium jetzt mit. Die Behörde ist seit knapp vier Jahren für die Genehmigung der Förderanträge der Naturparke zuständig.

Mehr als eine halbe Million Euro Fördergelder, vor allem für die Pflege der Wege und Anlagen, wurden durch die Behörde in diesem Jahr bereits bewilligt. Mit dem Geld werden auch beispielsweise das Spuren von Loipen im Winter, die Instandhaltung der Grillhütten oder die Verwaltung der Parke finanziell gestützt.

„Die Naturparke haben in den vergangenen 50 Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben“ meint der Gießener Regierungspräsident Lars Witteck. Den Anfang hatte 1911 die Lüneburger Heide in Niedersachsen gemacht. In Hessen wurde 1956 der „Hohe Vogelsberg“ - das größte Vulkangebiet Mitteleuropas - als erster Naturpark des Landes Hessen gegründet.

Die Naturschutzexperten Reiner Diemel und Ulrich Mager vom Regierungspräsidium Gießen sind überzeugt, dass den hessischen Naturparken künftig touristisch eine noch größere Bedeutung zukommen wird. „Der Trend zum Kurzurlaub in landschaftlich attraktiver Umgebung und ohne große Anfahrtstrecke ist bereits jetzt unübersehbar“, frohlocken die Fachleute.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres aber zählten die Beherbergungsbetriebe in Hessen mit neun oder mehr Betten sowie die Campingplätze fast vier Prozent weniger Gäste und knapp zwei Prozent weniger Übernachtungen als im gleichen Zeitraum des Jahres 2008. Während die Zahl der Ankünfte von Gästen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland um gut zwei Prozent auf 5,6 Millionen abnahm, ging die Zahl der Ankünfte aus dem Ausland sogar um 8,5 Prozent auf 1,8 Millionen zurück, sagte Udo Kroschewski vom Hessischen Statistischen Landesamt.

Gleichzeitig werden die Gastronomen von einer weiteren Sorge geplagt: Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Hotel- und Gastronomiegewerbe wird immer geringer. Darauf wies die IHK Kassel jetzt in Frankenberg hin. Folge: Den Gastronomen werden in den nächsten Jahren Lehrlinge fehlen.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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