Stadt gilt als Paradebeispiel bei der Sanierung von Gebäuden der US-Army – Neue Firmen sieden sich an

Hanau wandelt alte Kasernen um

Modell: So sollen die renovierten Gebäude im denkmalgeschützten Bereich der ehemaligen Hutier-Kaserne aussehen. Foto: dpa

Hanau. Wo früher Soldaten der US-Army in Kasernen stationiert waren, entsteht Raum fürs Wohnen und Arbeiten. In Hanau geht die Konversion mit großen Schritten voran. Nach dem Abzug der letzten US-Streitkräfte Ende 2008 werden erfolgreich große Flächen nach der militärischen Nutzung umgewandelt. Dabei stellt sich der Stadt eine Mammutaufgabe, denn keine Kommune in Hessen hatte mehr Konversionsflächen – 340 Hektar, davon 210 Hektar wirtschaftlich verwertbar.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Bonn muss als Eigentürmerin der Flächen zusammen mit der Stadt Hanau, die das Planungsrecht besitzt, die Umwandlung vorantreiben. Die Erlöse wandern in die Staatskasse. „Es läuft sehr gut in Hanau. Die Stadt ist das Paradebeispiel in Hessen“, sagte BImA-Vorstand Axel Kunze. 100 Millionen Euro wurden bisher investiert.

Martin Bieberle, Leiter für Stadtentwicklung in Hanau, sagt zum Stand der Konversion: „Es läuft herausragend.“ Knapp 50 Hektar seien von privaten Investoren entwickelt worden. Rund zehn Hektar wurden von der Stadt gekauft.

Errichtet wurden darauf unter anderem eine Hauptfeuerwache, ein Gefahrenabwehrzentrum und eine Kita. Auf dem Campo Pond (100 Hektar), einem ehemaligen Truppenübungsplatz für Manöver, wurden seltene Przewalski-Urwildpferde angesiedelt. Als Touristen-Attraktion und Landschaftsgärtner. Die Tiere sollen durch das Pflanzenfressen das Gelände vor dem Verwuchern bewahren.

Weitere große Konversionsorte in Hessen sind Darmstadt (314 Hektar) und Gießen (220 Hektar). „In Gießen ist auch schon viel passiert. Mit Darmstadt stehen wir noch am Anfang“, erläuterte Kunze. In frühestens 10 bis 15 Jahren könne die Umwandlung zu entmilitarisierten Flächen in Hessen beendet sein. „Wir haben die Herkulesaufgabe als historische Chance begriffen“, sagt Stadtentwickler Bieberle.

Neue Arbeitsplätze

Auch Firmen siedeln sich neu an. Das auf Gebäudetechnik spezialisierte Unternehmen R+S aus Fulda kaufte fast die gesamte Hutierkaserne, Hunderte Arbeitsplätzen sollen entstehen – aber auch neuer Wohmraum, vor allem für den Mittelstand. Die Kasernen und Wohnhäuser der Soldaten werden saniert.

Doch nicht nur die Bundesanstalt und Projektenwickler gehören zu den Profiteuren der Konversion. Die Umwandlung zahlt sich auch für die Stadt Hanau aus. Wenn sich Firmen neu ansiedeln, fließen mehr Gewerbesteuern. Seit 2010 seien 1500 Menschen mehr nach Hanau gezogen, so die Stadt. Dadurch werde die Kaufkraft gestärkt. „Zudem bewegt sich etwas in der Stadt. Es wäre fatal, wenn die Flächen nicht genutzt werden und wie Blei herumliegen“, sagte Bieberle. (lhe)

Von Jörn Perske

Quelle: HNA

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