Besuch zu Heiligabend im Mutter-Kind-Haus der Haftanstalt Preungesheim

Ein Heim im Gefängnis

Klaus Hermes

Frankfurt. Wenn es schneit, schaut James gerne aus dem Fenster auf die Straße. Aber öffnen lassen sich die Fenster nicht. Denn seine Mutter, eine kleine agile Nigerianerin, lebt mit dem Zweijährigen im geschlossenen Vollzug des Mutter-Kind-Heimes der Haftanstalt in Frankfurt-Preungesheim. Dem Heim, das fünf Plätze hat, sieht man das Gefängnis nicht an: Zimmertüren sind offen, Flure, Treppenhaus und Spielzimmer weihnachtlich-bunt geschmückt. Fast könnte man die mit Stacheldraht bekrönten Betonmauern vergessen.

Aus dem Aufenthaltsraum im Erdgeschoss ertönt „Alle Jahre wieder“; eine junge Sinti rollt den Kinderwagen mit ihrem 21 Tage alten Mädchen sanft hin und her. Es ist ihr erstes Kind. Im Wagen nebendran schlummert ein drei Monate alter Junge. Seine Mutter hat noch drei Kinder, sie leben mit dem Vater in Italien. Ein bisschen freuen sie sich auf Weihnachten, doch das Lächeln ist gequält.

Heute, am Heiligen Abend, wenn andere Familien daheim unterm Weihnachtsbaum zusammenkommen, werden die Frauen und Kinder gemeinsam frühstücken, sie dürfen telefonieren, am Gottesdienst im Haupthaus teilnehmen. Zur Bescherung kehren sie zurück. „Zum Gottesdienst gehen alle gern, egal, welchen Glaubens sie sind“, sagt Heimleiter Klaus Hermes.

60 Euro zahlt das Jugendamt als Weihnachtsbeihilfe, die Geschenke haben Erzieherinnen besorgt, die sich um die Kinder kümmern, wenn die Frauen arbeiten. Am Abend kochen sie, bezahlt werden die Zutaten vom Verein „Mutter-Kind-Heim“. Er sorgt auch für Nikolauspäckchen, die Einrichtung des Spielzimmers und beispielsweise für die Korbschaukel auf dem Spielplatz.

Die Feiertage sind grundsätzlich schwierig, sagt Sozialarbeiterin Dorothee Wehrum. Die emotionale Belastung sei oft groß, die Zeit anfällig für Streitigkeiten. Und nicht für alle gehört Plätzchenbacken oder Kochen zu den selbstverständlichen Fertigkeiten. Vom Umgang mit Kindern ganz zu schweigen. „Wir bringen ihnen hier viel bei“, so Hermes. „Und wir stauchen sie auch nicht vor ihren Kindern zusammen, damit der Respekt nicht verlorengeht.“

Natürlich, so der Heimleiter, würde es schwierig, wenn die Kinder größer würden und mehr Fragen stellten. Deshalb versucht er die Haftzeit so zu strukturieren, dass die Mütter im offenen Vollzug sind, wenn die Kinder in den Kindergarten kommen. 18 Plätze gibt es dort, Weihnachten haben diese Frauen komplett Freigang.

James Mutter muss bleiben, für sie ist es das zweite Weihnachtsfest in Haft. Kurz vor den Festtagen bekommt die junge Frau, die gut schneidert, ein besonderes Geschenk: Im Januar darf sie in der Näherei anfangen - probeweise.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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