Henzler muss sparen: Harte Zeiten für Schulen

Kultusministerin Dorothea Henzler: Schmerzhafter Prozess in der Schulverwaltung. Foto: dpa

Wiesbaden. Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) ist stolz: In ihrer Amtszeit herrsche an den Schulen kein Chaos mehr, sie könnten in Ruhe arbeiten.

Dabei übersieht sie geflissentlich die Proteste gegen die geplanten Kürzungen des 4,2 Milliarden schweren Kultusetats um 68,4 Millionen Euro. Die treiben Lehrer, Eltern und Lehramtsstudierende um, besonders auch, seit Berichte über einen sehr konkreten Sparplan kursieren.

Der betrifft nicht nur die bislang noch 15 Staatlichen Schulämter, sondern auch die Lehrerbildung. Angeblich werden künftig nur noch 4300 und damit 1000 Referendare weniger pro Jahr eingestellt. So sollen 150 Ausbilderstellen gespart werden.

Die Ministerin hat diese Darstellung nicht wirklich dementiert. Sie sprach von „Spekulationen“ und darüber, dass man „nicht am Unterricht, sondern in der Verwaltung“ sparen wolle. Ob sie auch das Amt für Lehrerbildung dazuzählt, weiß man nicht. Sollte es so kommen, wäre aber auf jeden Fall der Unterricht von morgen betroffen.

Laut Henzler steht der Schulverwaltung ein „schmerzhafter Prozess“ bevor. Aber, so die Ministerin kürzlich in schönster Offenheit: „Wir müssen es machen auch wegen der Schuldenbremse, die Bürger haben sie ja gewollt.“

DGB-Chef Stefan Körzell klingeln da die Ohren, hatte er doch immer davor gewarnt, dass die Politik die Verantwortung für Kürzungen auf die Bürger abschiebt. Hessens Elternbeiräte in Stadt und Land haben sich inzwischen in einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gewandt: „Die Qualität des Unterrichtes leidet schon heute unter einer unzureichenden finanziellen, sächlichen und personellen Ausstattung bei gleichzeitig angestiegenen Anforderungen an die Lehrkräfte.“ Es dürfe deshalb an der Bildung nicht gespart werden.

Auch der Arbeitskreis Lehrerbildung sieht schwarz, zumal die CDU ein Praxissemester fordert: Ohne die Betreuung durch die Ausbilder in den Studienseminaren irrten die Studierenden nur durch die Schulen.

Und selbst in der Regierungskoalition munkeln manche, dass die Ministerin sich noch erheblichen Ärger einhandeln werde. Henzler bleibt jedoch kühl: Im Sommer werde sie die Pläne offenlegen. Mehr Geld bedeute nicht automatisch mehr Qualität. Ab einem bestimmten Punkt gehe es nicht mehr um Zuwachs, sondern darum, wie das Geld verwendet werde. Und dieser Punkt sei in Hessen erreicht.

Mancher mag sich da an ihre Vorgängerin Karin Wolff (CDU) erinnern. Sie hatte im Zuge früherer Sparmaßnahmen gern Studien zitiert, denen zufolge die Klassengröße nichts mit der Qualität des Unterricht zu tun hätte.

Quelle: HNA

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