Neue zwei Jahre zu spät

DB Regio wechselt Triebwagen: Alte hatten Halteprobleme

Kassel. Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember ist es amtlich. Die DB Regio hat in Hessen ihre alten Triebwagen der Baureihen 425 und 426 durch den auch nicht mehr ganz neuen Talent 2 abgelöst. Oder, wie Bahnfahrer sagen: Auf Quietschie folgt Hamsterbacke.

Quietschie, weil die alten Züge seltsame Geräusche machten, Hamsterbacke, weil die Neuen so aussehen.

Der 425er (als Kurzversion: 426) fuhr über Jahre nur mit halber Kraft: Statt Tempo 160 durfte er nur Tempo 125 machen. Im Herbst drosselte das Eisenbahnbundesamt (EBA) die zulässige Höchstgeschwindigkeit hier und da bis auf 80 Stundenkilometer: Die 425er brauchten auf nassem Laub und schmierigen Schienen zu lange zum Bremsen. Mehrfach rutschten sie einfach an Haltebahnsteigen vorbei - Ende 2003 in Bad Münder nahe Hameln. Oder weit über rote Signale hinaus - wie im September 2007 in München.

Seit Ende 2006 rollten die 425er-Triebwagen des Konsortiums Siemens/Bombardier/DWA als Mittelhessen-Express von Treysa nach Frankfurt. Zuvor waren sie von Göttingen nach Bebra und Kassel gependelt. Nutzer nervte nicht nur das Quietschen. In Bayern, auch von dort kamen 425ernach Hessen, hatte Kundenprotest sie von einzelnen Strecken vertrieben: Harte Sitze ohne Armlehnen, Toiletten häufig defekt, kaum Gepäckablage - das kam nicht gut an.

Das jetzt abgeschlossene Austauschprogramm für die Quietschies in Mittelhessen begann im März - zwei Jahre später als eigentlich geplant. Aber auch der Nachfolger Talent 2 von Bombardier macht der DB ordentlich Ärger. 2009 sollten an der Mosel die ersten von insgesamt bis zu 321 bestellten Talent 2 starten. Baumängel, Softwarefehler, Ärger mit Türen und Zulassungsprobleme bremsten die Auslieferung aber immer wieder. Gegen zugige Cockpits verteilte die DB in Bayern vergangenen Winter sogar Heizdecken und lange Unterhosen an durchgefrorene Talent-2-Fahrer.

„Dieser Zug hatte Scharlach, Masern und Windpocken“, räumte Lutz Bertling, Chef des Zuggeschäfts bei Bombardier, kürzlich gegenüber dem Handelsblatt ein. Aus Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn bringt der Wechsel zum Talent 2 Bahnfahrern nur wenig: „Der Vorteil ist, das nun zwei Toiletten im Wagen vorhanden sind.“ Ansonsten, so Pro-Bahn-Landeschef Thomas Kraft auf Anfrage, hätten die Hamsterbacken zu wenige und zu langsam öffnende Einstiege, nur Hartschalensitze, zu wenig Beinfreiheit. Im Grunde seien auch die Talent 2 für Metropolen und eine Reichweite von 50 Kilometern ausgelegt, nicht für den weiträumigen Betrieb wie in Hessen: „Pro Bahn fordert die Abkehr von solch kleinen Triebwagentypen, insbesondere um sie innen großzügiger einrichten zu können.“

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare