Hessens Konzerne lehnen Frauenquote mehrheitlich ab - Kritik an Ackermann

„Nicht zielführend“, „hilft nicht weiter“: Die gesetzliche Frauenquote - aktuell in der Bundesregierung diskutiert - stößt bei Hessens Dax-Konzernen überwiegend auf Ablehnung. Sie setzen auf freiwillige Maßnahmen, um Frauen den Weg nach oben zu erleichtern.

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Frankfurt. Die großen Konzerne in Hessen sind mehrheitlich gegen eine gesetzliche Frauenquote. Dies ergab eine Umfrage der dpa unter den acht Dax-Konzernen. „Eine allgemeine, gesetzliche Quotierung hilft nicht weiter“, sagt etwa die Lufthansa. Einzig Merck erklärt, man diskutiere das Thema derzeit „ergebnisoffen“. Alle Konzerne betonen, man habe bei der Erhöhung des Frauen-Anteils in Führungspositionen Fortschritte gemacht - und wolle weiter an der Geschlechter-Gerechtigkeit arbeiten.

Der Commerzbank-Vorstand hat sich „gegen eine einheitliche Besetzungsquote entschieden“, wie Vorstand Ulrich Sieber mitteilt. Das Führungsteam habe sich aber „verbindliche und messbare Ziele“ gesetzt: Unter anderem würden mehr Frauen in die Auswahlprogramme für Führungsjobs aufgenommen. Die Hälfte der knapp 60 000 Mitarbeiter sind weiblich, rund jede vierte Führungskraft (23 Prozent) ist eine Frau. Der Commerzbank-Vorstand ist eine reine Männerveranstaltung.

Die Deutsche Bank sei froh, dass zunächst keine gesetzliche Frauenquote komme, stellte Chef Josef Ackermann bei der Bilanz- Vorlage klar. „Und ich hoffe auch, dass es dabei bleibt.“ Man sei aber sehr stark daran interessiert, Frauen in Führungsjobs zu haben. Und habe Frauen, „die eine Quote nicht nötig haben“. Die Bank weist für 2009 einen Frauenanteil von rund 44 Prozent aus, im Management sind es 16 Prozent. Im Vorstand gibt es zwar keine Frau, aber: „Wir hoffen, dass das irgendwann auch der Fall sein wird, und dass das dann auch farbiger sein wird - und auch schöner.“

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Für dieses Statement schlägt Ackermann nun Kritik entgegen: „Wer es farbiger und schöner mag, soll auf eine Blumenwiese gehen oder ins Museum. Ich würde mir wünschen, Herr Ackermann wäre bei der Förderung von Frauen in seiner Bank mindestens so ambitioniert wie beim Ausgeben von Renditezielen“, sagte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner dem „Handelsblatt“.

Die Deutsche Börse zeigt sich überzeugt, „dass Handeln und das Schaffen geeigneter Rahmenbedingungen wichtiger und nachhaltiger sind als Quoten“. Ziel sei aber ein Anstieg der Anteile von Frauen in allen Führungsebenen. Bisher hat der Konzern im oberen Management einen Frauenanteil von 6, im mittleren von 16 Prozent.

Der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius hält eine Quote „nicht für zielführend“. Oberstes Kriterium bleibe die „individuelle Qualifikation“. Bei den beiden jeweils im Börsenindex notierten Mutter und Tochter Fresenius SE und Fresenius Medical Care sind laut Unternehmen rund 27 Prozent der Manager der obersten Leitungsebenen weiblich. Eine Frau gibt es in den Vorständen aber nicht.

„Eine allgemeine, gesetzliche Quotierung hilft nicht weiter“, heißt es bei Lufthansa. Der Anteil von Frauen an Führungspositionen in der mittleren und oberen Leitungsebene beträgt dort 15 Prozent. Bei den Mitarbeitern mit Personalverantwortung habe der Konzern den Frauenanteil von 26 Prozent (2001) auf 41 Prozent (2009) gesteigert - „nicht mittels einer Quotierung“, wie das Unternehmen betont.

Die Bundesregierung will im März die Vorstände der großen Unternehmen zu einem Gipfel einladen. Laut Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sollen sie zwei Jahre Zeit erhalten, den Frauenanteil in Führungsgremien über eine gesetzliche Verpflichtung zur Selbstverpflichtung auf rund zehn Prozent (Vorstände) und dreißig Prozent (Aufsichtsräte) zu erhöhen. Gelingt dies nicht, soll per Gesetz eine „flexible Quote“ kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist gegen eine gesetzliche Lösung.

„Wir diskutieren das Thema derzeit intensiv“, heißt es beim Pharma- und Chemiekonzern Merck. Die Darmstädter haben bisher keine Frau in der Geschäftsführung, wollen nach eigenen Worten aber mehr Frauen an Schaltstellen. Dabei werde an unterschiedlichen Stellen angesetzt: Weibliche Nachwuchsführungskräfte würden gezielt gefördert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werde verbessert. Der Kali- und Salzhersteller K+S aus Kassel ist ebenfalls gegen eine gesetzliche Quote. K+S habe sich mit Unterzeichnung einer sogenannten „Charta der Vielfalt“ verpflichtet, ein Arbeitsumfeld frei von Vorurteilen zu schaffen. „Eine besondere Förderung der Frauen - ausschließlich aufgrund ihres Geschlechts - würde gegen die „Charta der Vielfalt“ verstoßen und wäre verfassungsrechtlich bedenklich.“ Laut K+S nehmen Frauen sieben Prozent der Führungsjobs ein bei einem Anteil von 11 Prozent an der Gesamtbelegschaft. Im K+S- Vorstand ist keine Frau. Keine Quote ist auch beim Frankfurter Satire-Magazin „Titanic“ in Sicht: „Wir wollen weiterhin bei der Besetzung offener Stellen lieber Sympathie, nackte Willkür und Kumpanei entscheiden lassen können als die planwirtschaftlichen Wahnvorstellungen einer Frau von der Leyen“, zitiert das Internetmedium „meedia.de“ Chefredakteur Leo Fischer. (lhe)

Quelle: HNA

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