Regierung verweist auf Chancen für Kommunen

Hessentag: Steuerzahlerbund will preiswerteres Landesfest

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egeisterte Massen: Der Hessentag lockt jedes Jahr viele Besucher in die ausrichtenden Städte. Unser Archivbild entstand beim Konzert der Ärzte in Homberg im Jahr 2008

Kassel. Zu lang, zu aufwändig, zu groß, zu teuer - der hessische Bund der Steuerzahler geht mit dem Hessentag hart ins Gericht. Das alljährliche Landesfest belaste nicht nur die Landeskasse mit Millionenbeträgen, sondern werde oft auch für die ausrichtenden Kommunen zum finanziellen Verhängnis.

In den vergangenen Jahren habe es Millionendefizite gegeben (siehe Hintergrund). Bereits jetzt zeichne sich für den Hessentag in Stadtallendorf, der vom 28. Mai bis zum 6. Juni über die Bühne geht, ein Zuschussbedarf von fünf Millionen Euro ab.

Deshalb fordert der Steuerzahlerbund, den "jährlichen Hessentags-Gigantismus" zu beenden. Der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes, Ulrich Fried, erklärte, dass seine Organisation das Landesfest keinesfalls abschaffen wolle.

Ein Blick auf andere Länder zeige aber, dass es auch kleiner gehe. Dort dauerten die Feste oft nur drei Tage. Überlegt werden könne auch, den Hessentag nur jedes zweite Jahr auszurichten, wenn er unbedingt mehr als eine Woche dauern müsse. "Ein Konzeptionswechsel ist notwendig und machbar, ohne dass dabei die Grundidee des Festes verloren geht", so Fried.

Wegen der langen Planungsphase könne an den Hessentagen der Jahre 2010 bis 2012 nichts mehr verändert werden. Für das Landesfest im Jahr 2013 in Vellmar (Kreis Kassel) sei eine neue Konzeption notwendig. Das sieht Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) anders.

Hintergrund

Die vergangenen Hessentage haben nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes hohe Defizite verursacht. 
Butzbach 2007: 3,8 Millionen Euro. 
Homberg 2008: 2,9 Millionen Euro.
Langenselbold 2009: 3,6 Milllionen. (kle)

Die Stadt habe sich um den Hessentag in seiner jetzigen Form und Größenordnung beworben, erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Die Chancen für die Stadt seien insgesamt größer als die Risiken. Man dürfe nicht nur die hohen Kosten sehen, sondern müsse auch an die Möglichkeiten der Stadtentwicklung im Vorfeld denken. Viele Baumaßnahmen, die mit dem Hessentag einhergingen, seien auch notwendig, wenn es das Fest nicht gebe. Außerdem werde die Stadt bekannt.

Dies sei ein Trumpf, auch wenn man ihn nicht in Eurobeträgen messen könne. Stochla setzt auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Auch Regierungssprecher Dirk Metz wies die Kritik des Steuerzahlerbundes zurück. "Keine Stadt wird zum Hessentag gezwungen", erklärte er.

Es gebe viele Bewerbungen, gerade weil die Städte den Hessentag als großartige Chance betrachteten, für sich zu werben. Es könne Geld für die Stadtgestaltung genutzt werden, das sonst nur über einen längeren Zeitraum geflossen wäre. Metz: "Das rechnet sich." Außerdem leiste der Hessentag einen Beitrag zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Hessen, ohne den das Land kulturell ärmer wäre. Viele Besucher kämen regelmäßig wieder.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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