In Biblis ist Platz für weitere Castoren - Fragen und Antworten

Das hessische Gorleben?

Wiesbaden. Ministerpräsident Volker Bouffier lehnt das St.-Florians-Prinzip in der Debatte um Atommüll-Zwischenlagerung ab, seine Umweltministerin Lucia Puttrich (beide CDU) hat Biblis dennoch als Alternative zu Gorleben ausgeschlossen. Streit in der Regierung? Mitnichten, behauptet die Staatskanzlei. Fragen dazu beantworten wir im Folgenden.

?Worum geht es in der aktuellen Debatte?

!Ausgelöst wurde sie von Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation hatte vergangenen Monats gefordert, dass der Atommüll dort zwischengelagert werde sollte, wo er zum größten Teil entstand, nämlich in den Zwischenlagern Isar (Bayern), Philippsburg (Baden-Württemberg) und Biblis (Hessen). Diesen Vorschlag hat der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) aufgegriffen.

?Lucia Puttrich hat umgehend protestiert, warum?

!Die Ministerin hat gesagt, dass in Biblis nur die Lagerung abgebrannter Brennstäbe erlaubt sei. Für diese Castoren wurde 2006 eine Halle in Betrieb genommen.

?Warum werden die Brennelemente dort gelagert?

!Der Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung 2000 verlangte den Bau der Zwischenlager und verbot die Wiederaufbereitung.

?Wie viele Castoren lagern dort?

!Laut Umweltministerium sind es derzeit 46 mit jeweils 19 Brennstäben. Die Kapazität der Halle reicht für 135 Castoren aus.

?Hat Bouffier der Ministerin widersprochen?

!Bouffier unterstreicht die Rechtslage für Biblis. Er sagt aber auch, dass sich kein Bundesland der Solidarität untereinander entziehen könne, wenn es um die Diskussion über die Zwischen- und die Endlagerung gehe.

?Gilt das auch bei der Frage nach dem Endlager?

!Wenn Gorleben sich als nicht geeignet erweise, müsse man bereit sein, andere Lösungen anzustreben. Hessen sei es, sagt Bouffier.

?Könnte die Rechtslage in Biblis auch geändert werden?

! RWE als Betreiberin von Biblis könnte beim Bundesamt für Strahlenschutz eine Genehmigung für die Zwischenlagerung des Atommülls aus La Hague und Sellafield beantragen.

?Es scheint noch jede Menge Platz zu sein in der Halle.

!Derzeit schon. Aber es befinden sich auch noch viele Brennstäbe im Abklingbecken innerhalb des Reaktorgebäudes, wo sie fünf Jahre nach der jeweiligen Entfernung abkühlen müssen. Außerdem müssen durch die nun beschlossene Laufzeitverlängerung weitaus mehr abgebrannte Brennelemente gelagert werden als bisher gedacht. Das Ministerium geht von 48 zusätzlichen Castoren aus.

?Wie viel Atommüll aus den Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield steht noch aus?

!Vorgesehen sind je ein weiterer Transport in den Jahren 2011 und 2014.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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